Leserbrief

Mannem oder Monnem ?

Zum Artikel "Muddersprooch: ,Mannem' oder ,Monnem'?" vom 1. Juli:

Wenn man a und o, wie Apfel und Ofen, exakt ausspricht, stimmt beides nicht. Richtig ist ein Zwischenlaut in der Nähe des Vornamens Jean. In meinem Buch: "Alla, ma'lache..." veranschaulicht dies ein Cartoon, wobei der Wasserturm direkt bei Jean, jedoch auch rechts oder links, stehen könnte.

Fest steht nämlich, dass es in unseren Stadtteilen, wie dies Hans-Peter Schwöbel bestätigt, unterschiedliche Aussprachen gab und zum Teil immer noch gibt - grob ein Nord-Süd-Trend von o nach a. Bei Mundarttexten schreibe ich Mãnnem. (Gerd Stolze, Mannheim)

Zu dem Artikel möchte ich folgendes bemerken: Monnemerisch ist eine kurpfälzische Sprache, die dem pfälzischen sehr angenähert ist. Eigenartigerweise wird das Kurpfälzische vorwiegend in den nachfolgenden Städten sehr ähnlich, mit geringfügigen Ausnahmen gesprochen: In Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, Weinheim, Schwetzingen, Speyer, Frankenthal, Neustadt. Dazwischen in kleineren Ortschaften sind größere Abwandlungen oft erkenntlich. Besonders deutlich ist dies zwischen Mannheim und Heidelberg zu beobachten, besonders bei den Ortschaften, welche dazwischen oder seitlich davon liegen, zum Beispiel Brühl und Ketsch. Hier sind die Abarten wesentlich größer als in den Städten.

80 Prozent sagen Monnem

Ich bin sicher, dass mehr als 80 Prozent der Kurpfälzer Monnem statt Mannem ausspricht. Wobei, bei der Mehrzahl das "o" ein sehr schwaches "o" ist; man müsste das schon phonetisch hören, in dem fast ein leichtes "a" hintenan mitklingt. Im Mannheimer Norden und im derben Monnemerisch, wird es allerdings wie ein kräftiges "o" gesprochen. Ich selbst bin Jahrgang 1929 und auf dem Lindenhof aufgewachsen und muss insofern Herrn Schwöbel widersprechen: Auf dem Lindenhof wurde Monnemerisch gesprochen. Ich habe auch zwei Freunde, die auf der Rheinau groß geworden sind, auch die haben das "O" bevorzugt. Nur in Neckarau, wahrscheinlich auch in Seckenheim und Friedrichsfeld wird Mannemerisch gesprochen. (Karlheinz Rödel, Mannheim)

Ja, wie bekloppt ist das denn? Fast eine ganze Seite darüber zu schwadronieren, ob das Mannem oder Monnem heißt. Der Möchtegernkabarettist H. P. Schwöbel und seine Ausführungen grenzen ja an Dibbelschisserei. Eigentlich müsste es ja nur Mannem heißen, denn die Stadt heißt ja Mannheim und nicht Monnheim. Aber soll jeder sagen, wie er möchte. (Klaus Anacker, Mannheim)

Für Dialekte gibt es, im Gegensatz zum Hochdeutsch, keine Regeln. In einer Stadt wie Mannheim kann es in jeden einzelnen Vorort Abwandlungen des Pfälzischen geben. Ich bin praktisch der Pfälzer par Exzellenz. Ich bin in der "OBER"-Pfalz geboren und mit sechs in die Unter- beziehungsweise Kur-Pfalz eingewandert. Mein OBER-Pfälzisch hat hier in der Kur-Pfalz keiner verstanden. Dieses Pfälzisch heißt nämlich auch Niederbayrisch. Okay - von 1954 bis 1960 hatte ich in der Innenstadt Gelegenheit, den hiesigen Pfälzer Dialekt genau kennenzulernen. Als ich mal wieder in meiner Geburtsheimat zu Besuch war, war dort, in der Oberpfalz, mein Kurpfalz-Dialekt nicht mehr zu verstehen. So schnell kann man Dialekte als Kind vereinnahmen. Zum Abschluss än monnemerischer Schulhof-Satz (so um die 1957 geschproche) den nur echte Monnemer vastehe! Moin Freund hot uffm Schulhof ä Brezl gekaaft. Wenn er ma kään Tschagger gibt tret isch ihm ons schombes! (Klaus Hiltscher, Mannheim)

Ich weiß, dass ich mir als vor 38 Jahren "Zugereiste" aus nordischen Gefilden unter den Mannheimern nicht unbedingt nur Freunde mache. Gleichwohl mir fehlt vollkommen der Draht zu erfahren wie man in Friedrichsfeld, Neckarau, Sandhofen oder sonst wo mit Mannheim (o oder a) umgeht. Dass der "Mannheimer Morgen" diesem Thema eine ganze Seite widmet, einschließlich der Leserbriefe in Mannheimer Gedichtform, finde ich schon bemerkenswert. Trotz aller Mühe, die ich mir gegeben habe und ich hatte beruflich viel Kontakt mit Menschen, diesen Dialekt zu verstehen, ist es mir nur mäßig geglückt und das "mich Auslachen wegen meines Hochdeutsches" insbesondre wenn dann noch das eine oder andere Viertel Wein im Spiel war, hat für mich jedenfalls nicht dazu beigetragen, diese Sprache nun so zu lieben.

Ich muss bis heute noch öfter sehr angestrengt zuhören. Letztlich - es gibt überall Dialekte, was ja prinzipiell auch eine Identitätsfrage ist. Dennoch gibt es wichtigere Probleme. In diesem Sinne - "alla don Tschüss" heißt das wohl, oder? (Petra Stacha, Mannheim)

Vorab gesagt: Ich spreche auch nur von "Monnem" im Dialekt. Für mich klingt "Mannem" eher ans Hochdeutsche angelehnt. Meine auswärtigen Bekannten sprechen auch mehr von "Mannem." Meine Eltern (echte Mannheimer) haben beziehungsweise sprechen auch nur von "Monnem." Kürzlich hatte ich noch mit meiner Mutter (Jahrgang 1920) darüber eine Diskussion. (Ursula Müller, Mannheim)

Also, nach moiner Moinung sagt ähner "Mannem", wenn er "Monnem" mähnt, sich awwer uff "hochteitsch" ausdrigge will, des awwer net so rischdisch konn. Als solcha bestellt unn verzehrt er donn a gern ämol ä "Brotworscht mit Brat" uff de Maimess. Jetz iss des Probläm doch gelöst, odda? Mähnt jedenfalls de Sondheffa ... (Werner Wolf, Mannheim)

Die Feststellungen des "Mannheimer Morgen" und die Ausführung des Herrn Professor Dr. Hans-Peter Schwöbel zum Thema Mannem und Monnem können nicht unwidersprochen bleiben. Gehen wohl die meisten hier zu Wort gekommenen Personen und Herr Schwöbel dabei doch von falschen Voraussetzungen aus, indem sie anne-men, dass im Mannheimer Dialekt nur die fünf Vokale des deutschen Al-phabetes existieren.

Dass ein Dialekt durchaus noch mehr Selbstlaute aufweisen kann, müsste der in Buchen im Odenwald geborene Professor aus eigener Anschauung wissen. Dort im Odenwald kreuzen nicht nur gelegentlich noch Braunbären und Luchse die Straßen, der Odenwälder Dialekt besteht außer aus einigen mit rollendem R versehenen Gurr-Lauten nämlich auch aus einer Vielzahl durch Verbindung von Vokalen entstandenen, eigenen Vokalen, wovon beispielsweise das schöne Wort Ourewoald (Odenwald) Zeugnis gibt. Festzustellen ist allerdings auch, dass Selbiges von einem zentralkurpfälzischen Sprecher nahezu nicht artikuliert werden kann, es sei denn er kommt gerade von einer zahnärztlichen Wurzelbehandlung.

Im Mannheimer Dialekt werden die Selbstlaute des Alphabets fehlerfrei verwendet: Zum Beispiel A in Abbelkuche, E und I in Keesfies (eines meiner Lieblingswörter) O in Klosettschissel und U in Nudelsubb (nicht zu verwechseln mit "ä dumme Subb").

Allerdings liegen die Dinge hier, was die Vokale betrifft, ähnlich wie im Odenwald, denn es existiert im Mannheimer Dialekt zumindest ein weiterer (und hier maßgeblicher) Vokal, der irgendwo zwischen A und O zu verorten ist, den ich als nasales Å bezeichnen und mit dem dänischen Bulle O (Å) kennzeichnen möchte, was der Kurpfälzer Aussprache übrigens recht nahe kommt (vgl. den dänischen Ort Ålborg, der etwa Olbor ausgesprochen wird). Ein Beispiel für diesen Vokal im Mannheimer Dialekt findet sich in dem Wort Ågewwa, das eine Person bezeichnet, die viel verzeehlt, awer weenich Åhnung hat. Genau dieses Å enthält aber auch das hier in Rede stehende Månnem. Macht man die Gegenprobe, stellt man nämlich fest, dass das mit trichterförmig zugespitzten Lippen ausgesprochene O (wie in Klosettschissel) im Wort Månnem nicht eingesetzt wird (auch nicht in Gegenden wie dem Er-lenhof, was mir Bloomaul Joachim Schäfer bestätigt, Herr Schwöbel aber festzustellen glaubt).

Zuzugeben ist dem Professor, dass gelegentlich das mit offenem Mund ausgesprochene A (aus Abbelkuche) in dem Wort Månnem Verwendung findet. Dies geschieht indessen allenfalls durch Personen aus dem Musebrodviertel, die bei dessen Verwendung wähnen, sie sprächen bereits reines Hochdeutsch. (Bernd Nennstiel, Mannheim)

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