Leserbrief

Leserbrief Zum Kommentar „Marodes System“ (FN, 8. August)

„Lehrkräfte hatten stets ein offenes Ohr“

Es liegt mir fern, die Ursachen des Privatschultrends zu erörtern, die gewiss vielschichtig und komplex sind.

Doch die universitäre Ausbildung der Gymnasiallehrer hier anzuführen, erscheint mir als zu einfach.

Der „studierte Mathematiklehrer“ kann sicher „die wildesten Kurven diskutieren“ und dennoch einem Sechstklässler den Dreisatz erklären.

Der studierte Germanist kann sich bestimmt an den alten Klassikern ergötzen und dennoch einem Sechstklässler die Rechtschreibung erklären, der studierte Physiker kann . . . für jedes Fach fände sich hier das entsprechende Beispiel. Fakt ist, dass der angehende Gymnasiallehrer – um beim Mathematikbeispiel zu bleiben – eine 360-Grad-Drehung in seiner Wissenschaft macht und somit fundierte Fachkenntnis bietet.

Zusätzlich erlernt er Psychologie, Didaktik und Methodik. Des Weiteren konzentriert sich das Referendariat, das in Bayern zwei ganze Schuljahre dauert, voll auf die pädagogische Arbeit.

Zwar wurden obige Beispiele vom Verfasser als „zugespitzte Einzelfälle“ bezeichnet, doch scheint es mir an der Realität vorbeizugehen, wenn der Eindruck erweckt wird, dass – salopp ausgedrückt – wissenschaftlich gebildete Fachidioten auf die Schüler losgelassen werden. Gerade Lehrer wissen durch ihren steten Umgang mit Schülern, was sie bewegt.

Im Übrigen haben meines Wissens die Lehrkräfte an privaten Schulen dieselbe Ausbildung durchlaufen wie ihre Kollegen an öffentlichen Schulen.

Also hat auch dort der gymnasiale Mathelehrer die Befähigung zur wilden Kurvendiskussion.

Als Erziehungsberechtigte fühlte ich mich während der Schulzeit meiner vier Kinder immer ernst genommen, ihre Lehrkräfte hatten und haben stets ein offenes Ohr.