Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort Zum Bericht "Klimaschutz ist Friedenspolitik" (FN 14. Juli)

Kolonialpolitik mit anderen Mittel?

Archivartikel

Was hat die Energiewende gebracht? Laut Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums sind 2015 magere 3,3 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland aus Wind- und Solaranlagen gekom-men, ein zusätzlicher Prozentpunkt kommt noch aus den seit jeher existierenden Wasserkraftwerken und aus unbezahlbaren Geothermieanlagen.

Die weiteren sogenannten "Erneuerbaren" erzeugen wie die "Fossilen" CO2 und verursachen teilweise extreme Umweltschäden, wie zum Beispiel Biosprit aus Palmöl. Durch einen weiteren Zubau von Windkraft- beziehungsweise Solaranlagen ist der Anteil der Erneuerbaren Energien nur noch minimal zu steigern.

Die weltweit durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugte CO2-Menge (rund 36 Milliarden Tonnen) entspricht zirka vier bis fünf Prozent der aus natürlichen Quellen stammenden CO2-Mengen (800 bis 1000 Milliarden Tonnen) und liegt somit innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite. Die Bundesregierung behauptet aber wahrheitswidrig, es seien 80 Prozent!

Deutschland will aber "Vorreiter" einer globalen Energiewende sein und hat offenbar den Ehrgeiz, auf diesem Gebiet missionarisch auf der ganzen Welt aktiv zu sein.

Deshalb meint Herr Töpfer, dass für Entwicklungshilfe und Armutsbekämpfung die Erneuerbaren Energien der "einzige Weg" seien.

Entwicklungshilfe betreiben die Industriestaaten seit Jahrzehnten. Der Erfolg ist mehr als mager.

Die afrikanischen Länder versinken zusehends in immer größerer Armut, viele Länder befinden sich heute noch auf vorindustriellem Niveau. Der deutsche beziehungsweise europäische Lebensstandard ist 100 bis 200 Mal so hoch wie in Ländern Afrikas.

Die Verweigerung, den Afrikanern verlässliche Energiequellen zur Verfügung zu stellen, ist eines der Haupthindernisse für deren wirtschaftliche Entwicklung.

Dagegen kämpft der angesehene kenianische Nationalökonom James Shikwati. Er beklagt: "Afrika und Indien sollen sich auf teure Energieoptionen verlassen, wie Wind und Sonne, die jedoch eine weitere Verzögerung unseres wirtschaftlichen, gesundheitlichen und ökologischen Fortschrittes bewirken."

Bis Mitte des letzten Jahrhunderts waren die Kolonialländer Quelle des Reichtums der europäischen Länder und Lieferant von billigen Rohstoffen.

Eine wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder war nicht nur nicht vorgesehen, sie wurde bewusst verhindert.

Es hat nun den Anschein, dass man diese "Kolonialpolitik" heute mit anderen Mitteln fortsetzen will, indem man den Ländern den Zugang zu billigen Energiequellen aus "Klimaschutz- oder "Umweltschutzgründen" verwehrt.

Wie anders ist es zu verstehen, wenn eine große Umweltschutzorganisation ("Friends of the Earth") sich damit brüstet, den Bau von 300 Wasserkraftanlagen in Entwicklungsländern verhindert zu haben, um dort die Natur zu schützen.

Jüngsten Pressemeldungen zufolge warten derzeit in Libyen fast eine Million Afrikaner auf eine Überfahrtsmöglichkeit nach Europa. Ihre Perspektivlosigkeit in den Heimatländern zwingt sie zu einer lebensgefährlichen Reise.

Es ist zu befürchten, dass diese Flüchtlingsströme sich zu Tsunamis ausweiten könnten, wenn - wie prognostiziert - die Bevölkerung in Afrika in den nächsten 30 Jahren um etwa zwei Milliarden Menschen wachsen wird.