Leserbrief

Leserbrief Zu „SAP verbannt ,Sklave‘“ (FN, 12. September)

„Keine Ambivalenztoleranz mehr“

Zigeunersoße, Genderstar und jetzt Blacklist bei SAP. Die Political Correctness (PC) und ihr Skalpell stoppen nicht, bis der letzte Faden in die Vergangenheit gekappt und neu geknüpft wurde.

Dass die Termini in der Branche in völlig anderem Kontext verwendet werden, spielt keine Rolle. Keine Ambivalenztoleranz mehr. Den schwarzen Humor trägt man gleich mit zu Grabe. Keine Witze auf Kosten der Minderheit.

Mein Nachname ist „Hack“. Wortspielchen in der Jugend waren unvermeidbar – „Hackfresse“ und „Hackfleisch“ die Spitzenreiter. Trotzdem würde ich mich deshalb niemals meiner Identität entledigen. Glück gehabt, sonst müsste SAP den Begriff „Hacker“ in „Softwareschwachstellensucher“ umbenennen. Ändert dieses Neusprech à la Orwell etwas? Beschäftigt SAP jetzt auch mehr Schwarze?

Die PC gibt sich human, aber verändert Verhältnisse in keiner Weise. Andersdenkende werden dagegen abgestraft und als Rassisten diffamiert, obwohl sie es niemals waren. Wer nicht gendert, der gilt bald als misogyn, alt und weiß. Denkmäler sollen vom Sockel gestoßen, falsch darstellende Filme und Bücher umgeschrieben werden. Ein Revisionismus, der näher am Gedanken der reinrassigen Nazi-Ideologie ist, als einem aufgeklärten Denken. Anstatt an die Mündigkeit des Bürgers zu appellieren, diktiert man Sprachnormen, die als korrekt angesehen werden sollen.

Am Ende stehen Moralapostel, die sich Korrektheit auf die Fahnen schreiben und über die Verwendung der „richtigen“ Wörter empören dürfen. Balsam für die Seele, schließlich argumentiert man auf der guten Seite der Macht. Und das Jahr 1984, es steht uns noch bevor.