Leserbrief

Leserbrief Zu "An die Decke wegen Wecken" (FN, 19. März)

"Gute und sachliche Argumente statt Brötchen"

Sehr geehrter Herr Götzelmann.

"Jo mei, is denn scho wieder (oder immer noch) Wahlkampf?", fällt mir als erstes zu Ihrem Leserbrief ein. Vier Spalten Staatstragendes, virtuose Rechenketten, Zitate großer Männer und dann noch das Wohl der Heimat als Antwort auf einen kleinen Leserbrief.

Aber: "qui s'excuse s'accuse", meinte Robespierre, auch ein großer Staatsmann (um auf Ihrem Niveau zu bleiben). Es drängt sich mir der Eindruck auf, dass Sie bei Ihrer beeindruckenden und eloquenten Argumentationskette (wobei wir auch noch ganz nebenbei viel über Sie erfahren durften: Volkswirt, Langschläfer, JU-Vorsitzender, Cicero-Kenner) irgendwie die Bäckerfamilie aus den Augen verloren haben. In Edelfingen und Unterbalbach haben wir noch das Glück, eine Bäckerei mit Dorfladen zu haben. Die Bäckerfamilie arbeitet nicht nur an allen Wochentagen, sondern auch an Sonn- und Feiertagen, um die beiden Orte mit frischen Backwaren und wunderbaren Torten zu versorgen. Die Läden sind wichtig für alle Einwohner, die nicht über ein Auto verfügen, oder keine Angehörigen haben, die für sie einkaufen könnten. Die Läden sind auch wichtig für die Kommunikation und den Zusammenhalt im Dorf.

Es versteht sich von selbst, dass man als Edelfinger den Bäcker unterstützen muss - aus Solidarität mit den Mitbürgen, die auf ihn angewiesen sind und weil er sonst nicht überleben kann.

Übrigens: Ihre anmaßenden Belehrungen, in denen Sie meinen Mann auch noch noch als "alten Genossen" bezeichnen, sind nur mit Ihrer Jugend und Unerfahrenheit zu entschuldigen. Es gibt noch viel zu lernen, was Anstand, Integrität, Mitmenschlichkeit und "das Wohl der Heimat" betrifft. Vielleicht helfen Ihnen beim nächsten Wahlkampf statt Brötchen sogar gute und sachliche Argumente.