Leserbrief

Finanzielle Ungerechtigkeit ist gewollt

Zum Artikel „Pfarrerin entschuldigt sich für Formulierungen im ,Geistlichen Wort’“ vom 20. Februar:

Nicht bei Frau Sobottke liegt das Problem, eher bei allen, die sich durch ihre Aussagen betroffen fühlen müssen. Arbeitgeber, die ihre Leute ordentlich behandeln und bezahlen, haben keinerlei Anlass dazu. Das Weltwirtschaftssystem aber funktioniert seit den 1990er Jahren genau so, exakt mit den geschilderten skandalösen Folgen. Wenn Menschen nach 35 Arbeitsjahren in unserem reichen Land keine auskömmliche Rente beziehen, während einige wenige nach dem ersten Toilettengang um Millionen reicher sind, ist diese Schande kein Teilaspekt unseres Rentensystems, sondern eine, den Machtinteressen einer bestimmenden Oberschicht geschuldete, beabsichtigte Konsequenz.

Zu viele Banalitäten

Ich mag manche von den Kirchenoberen nicht ertragen, die grinsend, mit klerikalem Brachialoptimismus salbungsvoll alle Probleme gnadenlos zusülzen. Ich empfehle, das schwäbische Stoßgebet „Herrgott, schmeiß Hirn raa!“ (Herr, wirf Hirn vom Himmel) in ein ökumenisches Liturgiekonzept aufzunehmen.

Das Dilemma wird doch gekrönt durch die Verblödung einer medial von Banalitäten zugemüllten und sich selbst mit Banalitäten zumüllenden Generation. Ohne Gespür für Konsequenzen hinsichtlich Selbstbestimmung, Sozialgefüge und Demokratie durch ihr verantwortungslos intelligenzfreies, komplett selbstentblößendes Konsum- und Kommunikationsverhalten.

Verlieren wir uns nicht in Details. Unsere Welt hat ein einziges Problem: das Problem mit der Anständigkeit. Anstand, Ethos, Moral, nennt’s, wie ihr wollt. Diese Petitesse wandelt das Paradies, das unsere Erde sein könnte, in die Abortgrube, die wir aus ihr gemacht haben.

F.-G. Linsenmeyer, Weinheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2GLUwa0

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