Leserbrief

Leserbrief Zu „Große Empörung und Vertrauensverlust“ (FN, 25. 8.)

„Es wirkt alles konstruiert“

Die Interessen der Firma Konrad Bau wird jemand ja nicht deswegen vertreten, weil er in seinem Namen dieselben Initialen hat. Manchmal möchte man schon sehr gerne wissen, was die eigentlichen Motive hinter einem Leserbrief sind. Bei dem von Kurt Breitenstein wird das alles andere als klar.

Soll hier soziales und politisches Engagement lächerlich gemacht werden? Warum und wozu werden dabei noch „die Alt-68er“ und die Friedensbewegung herangezogen? Und – die FN betreffend – macht nicht gerade der investigative Ansatz einen guten Journalisten aus?

War der Breitenstein’sche Leserbrief am Ende ironisch gemeint? Dann wäre er nahezu völlig schiefgegangen. Arrogante Herablassung und diffamierende Äußerungen sprechen für sich und gegen den Autor. Ironie ist bekanntlich ziemlich schwierig richtig zu handhaben.

So wie Breitenstein die Faktenlage und Einstellung der Gegner der Abfallaufbereitungsanlage darstellt, wirkt alles konstruiert. Es werden Aussagen als Zitate gekennzeichnet, die öffentlich so nie gefallen sind. Es werden Schuldzuweisungen unterstellt, die öffentlich so nie unterstellt wurden („Behörden bestochen“, „Politamigos gekauft“).

Warum? Soll hier Geschäftsführer Köhler, der ja nur von der Verantwortung für die Umwelt geleitet werde, zum Märtyrer stilisiert werden?

Hier für den von den echten Fakten noch fast unbeleckten Kurt Breitenstein ein bisschen Nachhilfe: Ein Unternehmer erwirkt eine Bebauungsplanänderung für eine von ihm geplante „Bodenverbesserungsanlage“ mit der Vorgabe, 50 000 Tonnen Straßenaushub zu verarbeiten, inklusive 10 000 Tonnen Brechmaterial.

Die – eher zufällig bekannt gewordene – Genehmigung beläuft sich dann aber auf 155 000 Tonnen Abfälle allerverschiedenster Art, inklusive 35 000 Tonnen Brechmaterial.

Ist es da erstaunlich, wenn Teile des Gemeinderates, die im Vertrauen auf die anfänglichen Zusagen der Bebauungsplanänderung zugestimmt haben, nun völlig vor den Kopf gestoßen sind?

Und würde nicht auch der Herr Breitenstein, wäre er Anwohner der (sehr engen) Zufahrtsstraße zu einer so dimensionierten Abfallaufbereitungsanlage direkt hinter dem Ort, den Lärm, den Staub und den extremen Schwerlastverkehr fürchten und dagegen ankämpfen?

Statt sich in die Lage der Bewohner Gerlachsheims zu versetzen und für deren Aufbegehren Verständnis zu zeigen, diffamiert er sie als Verführte und die Menschen, die als Sprecher soziale Verantwortung zeigen, als Agitatoren.

Übrigens: Die 120 mündigen Bürger, die sich kürzlich als Betroffene zum Widerstand versammelt haben, vertreten einen eigenen Standpunkt und sind sehr wohl in der Lage selbstständig zu denken! Und was ist verwerflich und falsch, wenn Menschen von ihrem demokratischen Recht auf freie Meinungsäußerung und Widerstand Gebrauch machen?