Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort Zum Leserbrief „Das schwächt unsere gesamte Gesellschaft“ (FN, 17.8.)

„Es braucht Akzeptanz und Respekt“

Frau Dr. Baum benennt die zunehmende Nachfrage nach Privatschulen und bedauert diesen Trend. So weit, so gut.

Was nun hat in diesem Zusammenhang das „AfD-Rückführungsprogramm für Kinder von Kriegsflüchtlingen“ zu tun, das sie unvermittelt an den ersten Gedanken anhängt? Nichts, aber das Stichwort Privatschule ist für sie Aufhänger, das Lieblingsthema der AfD, „Flüchtlinge“, mal wieder wachzurufen.

Mit dem nächsten Gedankensprung kommt sie nun zum Kern ihrer Botschaft: (AfD-?)Politiker würden für das Aussprechen von Wahrheiten öffentlich angegriffen, es folgt ein Zitat von George Orwell „In Zeiten universeller Täuschung ist das Aussprechen von Wahrheiten ein revolutionärer Akt.“

Und welche revolutionäre Wahrheit spricht Frau Dr. Baum denn aus? Ich entdecke sie nicht. Ihr rhetorischer Trick mit dem Orwell-Zitat heißt doch im Klartext: „Entgegen der großen Mehrheit habe ich den Mut, Wahrheiten auszusprechen, ich stemme mich gegen den üblen Zeitgeist. Wer auf meiner Seite steht, zählt zu den Wahrhaftigen und Revolutionären. Wer sich mir zurechnet, ist moralisch edel.“

Dabei kann man wenigstens bis heute in Deutschland zu ausnahmslos jeder Frage im Internet, in den Printmedien und wer weiß noch wo, in sehr weiten Grenzen jede, ja wirklich jede Meinung finden. Da braucht es nun wirklich keines revolutionären Aktes (in Putins Russland sieht das ganz anders aus). Wohl braucht es unter anderem die Akzeptanz und den Respekt davor, dass andere Personen viele Dinge anders sehen als man selbst. Aber vielleicht geht es ihr nur darum, dass ausschließlich ihre eigene Meinung unwidersprochen gelten soll.