Leserbrief

Leserbrief Zu „AKK will stärkere Militärmacht“ (FN, 8. November)

Einsatz für Projekte, die Frieden fördern

Die Pläne von Annegret Kramp-Karrenbauer zu einem Ausbau der militärischen Kräfte unseres Landes reagieren ihrer Aussage nach auf die Einladung verschiedener Kräfte, das Weltgeschehen in angemessener Weise mitzugestalten. In manchen Hinsichten klingt das plausibel, und sicher gibt es solche Forderungen, denen man sich schwer entziehen kann.

Wir sollten es trotzdem versuchen. Einerseits möchte man sich nicht vorstellen, welche Rolle militärische Kräfte in einer Auseinandersetzung mit China spielen könnten, auch andere Ziele, die die Ministerin benannt hat, sind mit Recht umstritten. Andererseits ist es doch sehr widersprüchlich, den Kindern auf der Straße zu applaudieren, die die Wahrung ihrer Zukunftsoptionen einfordern, und sich andererseits auf Kämpfe vorzubereiten, bei denen Klimaziele doch wahrscheinlich verfehlt und Ressourcen verschleudert werden.

Ich fände es wünschenswert, wenn wir unsere Rolle in dem derzeitigen auf Hetze und Kampf ausgerichteten Klima überdenken würden und Gestaltungskräfte und Ressourcen für Projekte verwendeten, die den Frieden ernsthaft fördern. Sicher ist die Welt voller Widersprüche, und wir können nicht immer, wie wir wollen.

Aber wir sollten wenigstens etwas wollen, zu dem wir hinterher, wenn unsere Kinder uns fragen, stehen können.

Im Jahr 1914 formulierte der Dichter Erich Mühsam so: „Man schämt sich allmählich vor sich selbst, immer und immer wieder den moralischen Gemeinplatz aussprechen zu müssen, dass Krieg schlecht und hässlich, Friede gut, natürlich und notwendig ist.“