Leserbrief

Leserbrief: Zur "Kindertagesstätte Luftikus" und der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend

"Der Gemeinderat ist Herr des Verfahrens"

Ein Luftikus ist einerseits ein raffinierter, liebenswerter Pfiffikus, andererseits aber auch ein leichtsinniger, unzuverlässiger Mensch. Kann man die positive Definition auf die unbeschwerten Kinder anwenden, so sollte die negative doch zu denken geben, zumal wenn sie sich auf gewisse Leitungspersonen bezieht.

Am Dienstag, 12. Mai, und am Mittwoch, 13. Mai, machten Erzieherinnen wie Eltern über Leserbriefe ihrem Unmut Luft und wollten die Gemeinderatsentscheidung hinsichtlich der Bedarfsplanung für Kinderbetreuung am Donnerstag, 14. Mai, beeinflussen. Das ist ihr gutes Recht. Nicht in Ordnung ist jedoch, dass die Unternehmerin Annerose Gogol offensichtlich ihr Personal seit Monaten nicht ordnungsgemäß bezahlt, selbst inzwischen teure Immobilien erwirbt und schließlich der Stadt den Schwarzen Peter zuschieben will.

Und wenn Kita-Leitung samt Entourage in fast jeder öffentlichen Gemeinderatssitzung präsent sind, unüberhör- und sehbar mit Gelächter, höhnischem Grinsen und abwertenden Kommentaren, dann gehört dies in die Kategorie "Ungezogenheit", um nicht zu sagen "Unverschämtheit". Jeder kann sich nun seinen eigenen Reim machen über die pädagogische Kompetenz solcher Protagonisten.

Umso wohltuender ist es, dass der Gemeinderat am Donnerstag einmütig diesem unwürdigen Treiben sachlich und geschlossen entgegengetreten ist und keinen Zweifel daran ließ, dass er Herr des Verfahrens ist und nicht die kleine, lautstarke Gruppe von Lobbyisten.

Chapeau, Herr Stadtrat Sailer als nicht mehr Kandidierender, der Sie sich nicht scheuten zu sagen, dass in 15 Jahren Ihrer Stadtratstätigkeit kein anderes Thema so ausführlich und gründlich behandelt wurde wie die Kinderbetreuung. Und dass dafür seit Monaten viel Arbeitszeit im Rathaus gebunden wird, ist auch Fakt. Dringend notwendig wäre längst das Kitten dieses Scherbenhaufens. Doch wie soll das gelingen angesichts derart verhärteter Fronten, Schuldzuweisungen und Stimmungsmache unzuverlässiger Kantonisten? Seien wir froh, dass drei Gruppen für Krippenkinder in kommunaler Hand entstehen, damit man nicht alleine von Willkür und Gefühlsschwankungen privater Träger abhängig ist.

Doch auch die bestehenden Einrichtungen, die alle (!) erhalten werden sollen, sind angesichts des rasanten demografischen wie gesellschaftlichen Wandels aufgefordert, größte Anstrengungen zu unternehmen, so bedarfsgerecht und flexibel wie möglich zu agieren.