Leserbrief

Leserbrief Zu "Adelsheim II/Oberkessach II - Sennfeld/Roigheim"

Dem Sportgericht fehlt das Fingerspitzengefühl

Zu der Entscheidung des Kreissportgerichts Buchen nach dem Spielabbruch am vergangen Sonntag im Kreispokalspiel zwischen der SpG Adelsheim II/Oberkessach II gegen SpG Sennfeld/Roigheim beim Spielstand von 3:3 in der Verlängerung gibt es vonseiten des VfB Sennfeld folgendes zu sagen: Der Spielabbruch erfolgte auf Wunsch des VfB Sennfeld, nachdem ein Sennfelder Spieler in der 104. Spielminute einen Wadenbeinbruch, sowie mehrfache Bänderabrisse erlitt. Der VfB Sennfeld wurde vom Kreissportgericht Buchen zu einer Geldstrafe von 50 Euro und zur Übernahme der Kosten des Verfahren in Höhe von 10 Euro verurteilt.

Man mag es nicht glauben, wie unflexibel Institutionen, in diesem Fall ein Kreissportgericht, sein können. Da verletzte sich vergangenen Sonntag beim Kreispokalspiel SG Adelsheim II/Oberkessach II gegen die SpG Sennfeld/Roigheim ein Spieler aus Sennfeld derart schwer, dass Krankenwagen und Notarzt, wie eine 45-minütige Unterbrechung, erforderlich waren und selbst der Schiedsrichter zunächst von einer Mehrfachfraktur ausging.

Nicht mehr in der Lage

Die betroffene Mannschaft sah sich daraufhin nicht mehr in der Lage, trotz eines noch möglichen sportlichen Erfolgs, das Spiel fortzusetzen und teilte dies so dem Schiedsrichter mit, der daraufhin das Spiel abbrach.

Man bedenke, das Spiel wurde nicht wegen unsportlichen Fehlverhaltens von Spielern oder dem ungebührlichen Verhalten von Zuschauern abgebrochen, sondern wegen der negativen Begleiterscheinungen einer schweren Verletzung.

Doch das Kreissportgericht sah sich dennoch verpflichtet, dem betreffenden Verein eine Strafe, samt Gebühren, in Höhe von 60 Euro in Rechnung zu stellen. Zur Begründung wurde angeführt, dass die Verletzung zwar schwer, aber doch nicht das Ausmaß eines offenen Bruchs oder lebensbedrohlichen Umstandes gehabt hätte.

Also, alles nicht so schwerwiegend, damit muss man wohl eben umgehen können, gleichgültig, ob möglicherweise auch junge Spieler aktiv waren und damit eventuell nicht so einfach damit umgehen können. Der Verein hatte zu dem langwöchigen Ausfall seines verletzten Spielers, die damit verbundene Niederlage und das Ausscheiden aus dem Pokalwettbewerb wohlwissend in Kauf genommen.

Handlungsspielraum

Jeder Richter, auch ein Kreissportgericht, hat einen gewissen Handlungs- und Entscheidungsspielraum, den er bei realitätsnaher Einschätzung des Sachverhalts dann auch anwenden kann, so man dazu gewillt ist. Vielleicht sollte man auch einmal über seinen eigenen Schatten springen können.

Doch mit dieser Entscheidung, die irgendwo an einem Schreibtisch gefällt wurde, ohne ein Bild der Realität vor Ort gehabt zu haben, sondern lediglich festgestellt wurde, dass kein gravierender Ausnahmefall zu erkennen war, zeigt das Kreissportgericht wie viel Fingerspitzengefühl es hat.

Nämlich keines.

Da kann sich das Sportgericht auch die Genesungswünsche für den betroffenen Spieler sparen.