Leserbrief

Leserbrief Zum Bericht „Junge Familie oder kranke Seniorin?“ (FN, 18. April)

Brauchen „Vermenschlichung des Staats“

Ich habe mich sehr gefreut über den Artikel, in dem der Bundesgerichtshof über Eigenbedarf entscheidet und unter die Lupe nimmt. Und damit richtigerweise argumentiert, dass viele dieser Fälle schematisch und „nicht in gebotener Tiefe“ gelöst werden. In dem Artikel werden zwei Beispiele thematisiert, wie gegensätzlich es sich oft verhalten kann. Aus meiner Sicht ist das Urteil im ersten aufgeführten Beispiel sehr unterstützenswert, weil die Seniorin mit Demenz, die zusammen mit ihren zwei Söhnen als Mieter in dieser Wohnung lebt, dadurch Vertrauen auf der Gefühls-Ebene schöpfen, erhalten und vielleicht sogar aufbauen kann und mit dem Normalitätsprinzip dort gut mit ihren Söhnen zurechtkommt.

Es kann sich beim eigenen Nachdenken etwas mit dem Satz Heinrich Pestalozzis, Pädagoge und Sozialreformer, verknüpfen und gibt dem Bürger Hoffnung, was gerade in dieser Zeit Verlorener im eigenen Staat, in Europa, scheint: „Wir brauchen nicht die Verstaatlichung des Menschen, sondern die Vermenschlichung des Staats“. Vielleicht setzen auch deshalb die Gesundheitspolitik und der Gesetzgeber auf die ambulante vor der stationären Pflege. Ich kenne viele Mitarbeiter und Kollegen, die sich mit Herzblut für ihre anvertrauten Menschen mit Demenz in den Heimen jeden Tag neu und motiviert einsetzen und danach handeln, doch ersetzt es niemals die eigenen, vertrauten vier Wände. Ich glaube auch, dass gerade in den Ballungsräumen grundsätzlich zu wenig bezahlbarer sozialer Wohnraum zur Verfügung steht und deshalb die „Alten und Jungen“, Alleinerziehenden, junge Familien, Behinderte und so weiter. immer mehr an den Rand gedrängt werden.