Leserbrief

Bankrotterklärung des sozialen Zusammenlebens

Zum Artikel "Quote für bezahlbare Wohnungen" vom 28. Juni:

Für schlappe 368 000 Euro bietet Diringer & Scheidel eine Zwei-Zimmer-Wohnung (75 Quadratmeter) im neuen Kepler-Quartier am Hauptbahnhof an. Es gibt einen profitablen Wohnungsmarkt und die Wohlhabenden dazu. In Deutschland geht aber die Einkommensschere deutlich weiter dramatisch auseinander.

Für 23 000 Euro gibt es zur Zwei-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung einen Garagenplatz dazu. Nicht mal den können sich prekär Beschäftigte - da gibt es mit Sub-Sub-Unternehmen am Bau ein weites Feld -, Leiharbeiter, alleinerziehende Mütter, Einzelhandelsverkäufer, die sich trotz Festvertrag und Vollzeitjob "arm schaffen", Durchschnittsrentner oder Studenten leisten. Da bleibt nur in Miete zu wohnen.

Widerstand der Bau-Profiteure

Die jetzt beschlossene Sozialquote zum Wohnungsbau kann hoffentlich umgesetzt werden. Denn der Widerstand der Bau-Profiteure ist groß. Der Verband der Bauwirtschaft Nordbaden, Diringer & Scheidel und der Eigentümerverband Haus und Grund sind dagegen. Der Vorsitzende von Haus und Grund nennt gar die Sozialquote eine "Bankrotterklärung der Politik", "Wohnungspolitik auf dem Rücken der Investoren". Solche Aussagen aus der Bauwirtschaft sind empörend und eine Bankrotterklärung zum sozialen Zusammenleben! (Reinhard Ilbilg, Mannheim)