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Corona-Krise Die Polizei rät dazu, von Fahrgästen, die ihren Mund- und Nasenschutz nicht tragen, Abstand zu halten

Was tun mit Maskenverweigerern in Bus und Bahn?

Stuttgart.Donnerstagmittag, Buslinie 40, kurz vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Im hinteren Bereich des Busses drei junge Frauen und ein junger Mann auf einer Vierer-Sitzgruppe, sie unterhalten sich laut, lachen. Keiner von ihnen trägt eine Maske. Ihnen gegenüber sitzt eine ältere Frau mit Mund-Nasenschutz, die immer wieder hinsieht, den Kopf schüttelt. Sie hat einen Gehstock bei sich, kann während der Fahrt nicht an einen anderen Platz wechseln. Sie sucht Blickkontakt zu anderen Fahrgästen. Eine Frau geht auf die Gruppe zu, bittet die vier jungen Leute, eine Maske aufzusetzen. Einige Fahrgäste murmeln Zustimmung, andere schauen weg.

„Maske hab’ ich vergessen“, sagt der junge Mann und grinst seine Begleiterinnen an. Die Frau weist darauf hin, dass man nur mit Maske einsteigen darf. „Was willst du denn?“, kommt zurück, „wir steigen eh’ gleich aus.“ Es wird lauter, der junge Mann pöbelt, seine Begleiterinnen lästern, andere Fahrgäste mischen sich ein. Die Gruppe drängt zum Ausgang. „Ihr spinnt doch alle, glaubt ihr den Scheiß etwa, den die Medien da schreiben“ schimpft der junge Mann, rempelt und hustet beim Aussteigen provokant Fahrgäste an und ruft: „Jetzt habt ihr alle Corona!“

Durchsagen alle 15 Minuten

Diesen Vorfall hat die Autorin dieses Berichtes genau so erlebt. Der Busfahrer vorne hat nichts mitbekommen. Kein Einzelfall. Maskenverweigerer sitzen in vielen Bussen und Bahnen, oft wird auch nur der Mund bedeckt. Dabei ist das Tragen von Mund- und Nasenschutz durch die Corona-Verordnung in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den Bahnsteigen vorgeschrieben. Zumindest in Stuttgart sind auf Bahnsteigen und in Bussen und Bahnen die entsprechenden Hinweise nicht zu übersehen und zu überhören, die Durchsagen kommen alle 15 Minuten aus den Lautsprechern und werden auf den Fahrplananzeigern eingeblendet. Wer sich nicht an die Maskenpflicht hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit, für die laut Corona-Bußgeldkatalog des Landes zwischen 25 und 250 Euro fällig sind. Aber was tun, wenn Mitfahrer in Bus und Bahn und auf den Bahnsteigen die Maske verweigern? Ansprechen oder lieber ignorieren? „Ansprechen ist prinzipiell möglich“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Stuttgart auf Anfrage. „Aber man sollte Fingerspitzengefühl für die Situation haben und sich nicht selbst in Gefahr bringen.“ Die Fahrer kontrollieren nicht, ob Masken getragen werden – und die Fahrkartenkontrolleure können im Konfliktfall allenfalls die Polizei rufen. „Wir sind nicht autorisiert, die Maskenpflicht durchzusetzen“, bestätigt eine Sprecherin des Stuttgarter Bus- und Bahnbetreibers SSB. „Die Fahrer und unsere Prüfer sind aufgefordert, auf die Maskenpflicht hinzuweisen.“

Bei einer Kontrolle der Polizei an zwei zentralen Haltestellen am 23. Juli waren von knapp 18 000 Fahrgästen 117 ohne Maske unterwegs – weniger als ein Prozent. Bis dahin hatte die Stadt Stuttgart 97 Bußgeldverfahren gegen Maskensünder eingeleitet. Eine „dramatische Zunahme der Maskenverweigerer“, wie sie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kürzlich vor Journalisten beklagte, wollen weder die Sprecher von SSB noch der DB Regio bestätigen.

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