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Wirtschaft Südwesten profitiert stark vom EU-Markt / China hinter den Vereinigten Staaten wichtigster Abnehmer

Über Europa in die Welt hinaus

Archivartikel

Stuttgart.Die Staaten der Europäischen Union sind die wichtigsten Handelspartner für Baden-Württemberg. Im Jahr 2018 exportierte die Südwest-Wirtschaft laut Statistischem Landesamt Waren im Wert von 203,1 Milliarden Euro in alle Welt. Mehr als 51 Prozent davon gingen in das europäische Ausland. Dies macht einen Gesamtbetrag in Höhe von rund 104 Milliarden Euro.

Die Zahlen bei den EU-Ausfuhren konnten im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,8 Prozent verbessert werden. Eine höhere Steigerung kam nicht zustande, weil die Nachfrage in den Ländern ohne die Gemeinschaftswährung Euro nachließ – allen voran aus dem Vereinigten Königreich um knapp elf Prozent. Zum Vergleich: Der Exportwert des Südwestens nach Asien stieg im Vergleich zu 2017 zuletzt um 4,2 Prozent an auf 38,1 Milliarden Euro. Wichtigster Abnehmer war China mit knapp 16 Milliarden Euro.

China eroberte damit auf der Exportrangliste des Südwestens Platz zwei hinter den Vereinigten Staaten (32,2 Milliarden Euro). Für Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sind die Staaten der EU „quasi ein erweiterter Heimatmarkt“. Die Wirtschaft habe einen großen Nutzen von den einheitlichen Spielregeln innerhalb der EU. Zudem profitiert der Südwesten auch von Förderprogrammen aus Brüssel. „Wir nutzen EU-Mittel, um Innovationen voranzutreiben“, sagt Hoffmeister-Kraut.

In der Förderperiode von 2014 bis 2020 fließen insgesamt mehr als 5,1 Milliarden Euro an EU-Mitteln nach Baden-Württemberg. Darunter befinden sich auch etliche Programme im Bereich der Wirtschafts- und Innovationsförderung. So hat der Südwesten allein aus dem Forschungsprogramm Horizont zwischen 2014 und 2018 mehr als 985 Millionen Euro zur Förderung von Innovationen erhalten. Dazu kamen von 2013 bis 2018 rund 120 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Im gleichen Zeitraum erhielt Baden-Württemberg aus Brüssel auch mehr als 236 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds, die überwiegend für Qualifizierungsmaßnahmen verwendet wurden. Hoffmeister-Kraut wirbt massiv für die EU.

In einer sich verändernden Welt habe die EU aus Wirtschaftssicht zwei zentrale Funktionen: Zum einen gibt es einen großen Binnenmarkt. Zum anderen müsse die EU als Einheit „solide Handelsverträge mit anderen Regionen der Welt“ abschließen können. Dies könnten einzelne Länder nicht leisten.

Exporte nehmen zu

Bei den Importen ergibt sich dagegen ein etwas anderes Bild. Die meisten Einfuhren hatte Baden-Württemberg im vergangenen Jahr aus der Schweiz und den EU-Staaten Niederlande und Italien. Erst dann kommen China und die USA. Zwischen den beiden Giganten liegt noch Frankreich. Auffällig ist dabei: Außer China, den USA und der Schweiz sind alle für Baden-Württemberg relevanten Handelspartner beim Import Mitgliedsstaaten der EU. Allerdings besteht mit der Schweiz aufgrund der geografischen Lage eine Reihe bilateraler Abkommen.

Neben der Auto- und Zuliefererindustrie ist im Südwesten vor allem der Maschinenbau einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige. „Europa ist für den baden-württembergischen Maschinenbau mit großem Abstand die weltweit wichtigste Absatzregion. Beinahe die Hälfte der ausgelieferten Maschinen und Anlagen ging 2018 in die Märkte der EU, mit steigender Tendenz“, sagt Dietrich Birk, Geschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA.

Die Exporte der Branche in die Länder der EU nahmen 2018 um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Europa sei jedoch nicht nur als Abnehmermarkt bedeutend. „In unserer Industrie ist europäische Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg seit Langem gelebte Realität, die Unternehmen vermarkten ihre Produkte und Services von Europa aus in die ganze Welt“, erklärt Birk. Daher setze sich der VDMA nachdrücklich für eine starke EU ein und für eine enge Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. Birk: „Denn Europa kann die vor uns liegenden Herausforderungen wie Digitalisierung, Datenschutz oder Klimawandel nur als Einheit meistern.“