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Notwendige Reform

Wieder einmal zeigt sich, dass in der Politik die Dinge nicht so heiß gegessen werden wie gekocht. Vor der Einführung hatten die Arbeitgeber die Trommel gegen den umstrittenen Bildungsurlaub ganz laut geschlagen. Jetzt sieht man, dass die Warnungen weit an der Wirklichkeit vorbei gingen. Nur jeder hundertste Mitarbeiter nutzte das Angebot überhaupt und hat auch noch mit übergroßer Mehrheit Fortbildungskurse gewählt, die mit betrieblichen Herausforderungen zu tun haben. Die an die Wand gemalte Überforderung der Betriebe ist nicht eingetreten.

Wenn über jeden vierten Fall gestritten wird, hat das Gesetz den Praxistest trotzdem nicht bestanden. Da sind Klarstellungen notwendig. Die Kontroversen werden sich bei der anstehenden Reform auf den Punkt konzentrieren, ob künftig die Arbeitnehmer für politische Fortbildungen oder Kurse im Ehrenamtsbereich eigene Urlaubstage als Mitfinanzierung einbringen müssen. Die Unternehmer fragen zu Recht, warum sie den Lohn auch zahlen müssen, wenn sich ein Mitarbeiter zum Kassierer des Tennisclubs weiterbildet oder mit der Geschichte der Arbeitnehmerbewegung beschäftigt.

Auch die Gewerkschaften sollten verbal abrüsten. Ihre Hoffnungen, dass Ungelernte die Chance zur Qualifizierung nutzen, haben sich kaum erfüllt. Die Nachfrage nach Bildungszeit belegt nicht zwingend die Notwendigkeit des Gesetzes. Ohnehin sind die Gewerkschaften bei dem Thema befangen, denn sie sind ja gleichzeitig Anbieter auf dem Markt der Weiterbildung und damit Nutznießer.