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Gericht Erster Verhandlungstag im Untreue-Prozess eines Geistlichen / Mann soll Einrichtungen um 228 000 Euro gebracht haben

„Mit Geld kann ich nicht umgehen“

Archivartikel

Mannheim.Betrug, Untreue, Urkundenfälschung: 88 Anklagepunkte listet der Staatsanwalt auf. Dem Priester und Dekan aus Lahr (Ortenaukreis) legt er zur Last, mit falschen Rechnungen, verschleierten Firmenbeteiligungen, erfundenen Projekten und allerlei Nebelkerzen 228 000 Euro erschlichen zu haben – zum Nachteil der katholischen Kirche und des Caritasverbandes (wir berichteten). Seit gestern bringt die 17. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim Licht in die Aktivitäten des Geistlichen.

Möglicherweise sind die 19 Verhandlungstage gar nicht nötig. Der Mittfünfziger will sich zu den Vorwürfen äußern. Vor Journalisten umriss sein Anwalt Edgar Gärtner die Verteidigungslinie so: „Es wird keine Freispruchstrategie geben – wohl aber in so manchen Bereichen andere juristische Bewertungen.“ Die Vita des Theologen, der wegen Fluchtgefahr in U-Haft sitzt, ist mit der Rhein-Neckar-Region verwoben: 1995 erhielt der damalige Jesuit in Mannheim seine Priesterweihe. Im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus baute er für die katholische Bildungsakademie ein „Zentrum für soziales Management“ auf – dieses wurde aber nach seinem Ausscheiden (Ende 2000) pleite. Bei der Verhandlung geht es auch um die Rolle des Mannes bei der gescheiterten Beratung des finanziell angeschlagenen Malteser-Hilfsdienstes und einen späteren Streit in Millionenhöhe.

Trotz alledem gerne Priester

Das Gelübde zu einem Leben in Genügsamkeit, „das passt nicht für mich“, erläutert der Angeklagte und betont gleichzeitig, „gern Priester zu sein“ – aber nicht ausschließlich. Seine Tätigkeit als freier Unternehmensberater habe ihm bei der Diözese Freiburg Robert Zollitsch zugesichert. Der Erzbischof im Ruhestand erklärt hingegen in einer Stellungnahme, es sei damals lediglich um das Beenden einiger noch laufender Mandate gegangen.

Ermittlungsberichte offenbaren, dass der Pfarrer mit zweitem beruflichen Standbein monatlich zwischen 8000 bis 15 000 Euro eingenommen hat, dass zwischen 2013 und 2017 insgesamt 1,36 Millionen als Einnahmen, aber auch Ausgaben über seine Konten liefen. Ein Richter formuliert es so: „Es ist rausgegangen, wie es reingekommen ist.“ Worauf der Theologe, der für andere wirtschaftliche Konzepte entwickelt hat, zugibt: „Mit Geld kann ich nicht umgehen!“ Beraten hat er auch das Mannheimer „Ursulinen-Konvent“, an dem er als Religionslehrer im dortigen Gymnasium tätig war. Die Anklage wirft ihm vor, von der Gemeinschaft 21 000 Euro zu Unrecht bekommen zu haben – beispielsweise für ein erfundenes Spendenprojekt in Spanien.

Als die Kammer den Angeklagten zu Gesundheit und Privatleben befragt, ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen.