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Landtag Bundesspitze unterstützt Kandidaten Janine Wissler und Jan Schalauske im Wahlkampf / Umweltschutz auf Partei-Agenda

Linke wildern in grünen Gefilden

Archivartikel

Wiesbaden.Eines haben die hessischen Linken schon vor Beginn des Landtagswahlkampfs geschafft: Die ansonsten ziemlich zerstrittenen Führungsfrauen der Bundespartei, Sahra Wagenknecht und Katja Kipping, haben zugesagt, zum Wahlkampfauftakt am 28. September in Frankfurt gemeinsam aufzutreten. Auch sonst können sie sich über mangelnde Unterstützung der Bundespartei nicht beklagen. Neben Wagenknecht kommen auch der andere Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch und neben Kipping der Co-Parteivorsitzende Bernd Riexinger. Für den Wahlkampfabschluss am 26. Oktober in Wiesbaden lässt sich selbst Linken-Altstar Gregor Gysi noch einmal reaktivieren. Und natürlich sind überall die hessischen Spitzenkandidaten Janine Wissler und Jan Schalauske mit von der Partie, die gestern in Wiesbaden ihre Wahlkampfstrategie vorstellten.

Die Linke, die bei der Wahl vor fünf Jahren mit 5,2 Prozent nur knapp wieder in den Hessischen Landtag einzog, kann nach den Umfragen diesmal mit einem deutlich besseren Ergebnis von etwa sieben Prozent rechnen. Was aber fehlt, sind realistische Perspektiven einer Regierungsbeteiligung. Erstens dürfte es denselben Umfragen zufolge kaum für Rot-Rot-Grün reichen, und zweitens scheint die Neigung von SPD und Grünen dafür nicht allzu groß zu sein. Doch das ficht die beiden Spitzenkandidaten nicht an. Der Landesvorsitzende Schalauske nennt als Wahlziel der Linken, gestärkt in den Wiesbadener Landtag zurückzukehren. Wichtig sei es dann, erst einmal gesellschaftliche Mehrheiten zu organisieren. Und Fraktionschefin Wissler verweist darauf, dass Rot-Rot-Grün damals ja nicht an ihrer Partei gescheitert sei.

Flughafen-Politik kritisiert

Sollte es bei der Wahl am 28. Oktober eine Mehrheit dafür geben, bleibe die Linke gesprächsbereit, betonen beide. Wissler macht aber kein Hehl daraus, dass die Partei auch auf Stimmen der Grünen-Wähler setzt. Wer wirklich etwas gegen den Klimawandel tun wolle, müsse die Linke wählen, sagt sie und wirft den Grünen vor, in der Koalition mit der CDU eigene Ziele aufgegeben zu haben. So sei die Bilanz von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) etwa beim Frankfurter Flughafen mager. Das Terminal 3 werde gebaut, das ohnehin nur sechsstündige Nachtflugverbot sei durchlöchert, und die Lärmobergrenzen erlaubten noch eine Zunahme des Lärms.

Auf Wahlplakaten postuliert die hessische Linke „mehr für die Mehrheit“ mit Solidarität und sozialer Gerechtigkeit. Die entscheidende Grenze verlaufe zwischen Arm und Reich, ein Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut sei vordringlich. Zugleich sagt die Partei der Mietpreisexplosion den Kampf an, fordert mehr öffentlichen Nahverkehr, „Gute Nacht statt Fluglärm“, Aufschwung für den ländlichen Raum und „klare Kante gegen rechts“. (Bilder: dpa)