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Umwelt Naturschützer, Bauern und Kommunen sollen in Landschaftspflegeverbänden eng zusammenarbeiten

Hessen sorgt sich jetzt um Feldhamster und Braunkehlchen

Wiesbaden.Umweltministerin Priska Hinz (Bild/Grüne) schlägt Alarm: Der Artenrückgang ist dramatisch; beim Feldhamster verhungert jeder zweite Wurf, auch das Braunkehlchen verliert regelmäßig seine Brut und geht im Bestand weiter zurück. Um dem negativen Trend entgegenzuwirken, will das Land jetzt neue Wege im Naturschutz gehen. Mit einem jeweils sechsstelligen Betrag verhilft es drei Landkreisen zu einem Pilotprojekt für die Bildung sogenannter Landschaftspflegeverbände, in denen Naturschützer, Landwirte und Kommunen gemeinsam zu einer nachhaltigen Flächenbewirtschaftung kommen sollen. Nach einer wissenschaftlichen Auswertung des auf drei Jahre befristeten Modellversuchs soll das Projekt auf ganz Hessen ausgeweitet werden.

Die Landkreise wurden bewusst aus verschiedenen Teilen Hessens ausgewählt: die Wetterau im Regierungspräsidium Darmstadt, der westhessische Lahn-Dill-Kreis im Regierungspräsidium Gießen und in Nordhessen der Kreis Waldeck-Frankenberg im Regierungspräsidium Kassel. Ihre Landräte oder deren Stellvertreter unterzeichneten gestern im Wiesbadener Landtag zusammen mit der Umweltministerin die Vereinbarung über den Pilotversuch. In den Landschaftspflegeverbänden sind Naturschützer, Landwirte und Kommunalverwaltungen jeweils drittelparitätisch vertreten.

Pestizide sollen reduziert werden

Ziel ist, in festen Runden zu gemeinsamen Vereinbarungen über einen naturgerechten Landschaftsverbrauch zu kommen. Auch der dem Naturschutz nicht gerade förderliche Einsatz von Pestiziden in der Agrarwirtschaft soll besonders in für den Artenschutz sensiblen Flächen reduziert werden. "Und da müssen die Bauern mit im Boot sein", betonte die Grünen-Politikerin Hinz, die in der Landesregierung sowohl für den Umweltschutz als auch die Landwirtschaft zuständig ist. Dafür ist, wie die Kommunalpolitiker schilderten, neben entsprechend gutem Willen auch Personal erforderlich. Und um dessen Aufstockung im Sinne von mehr Naturschutz zu fördern, stellt das Land in den drei ausgewählten Kreisen bis 2019 jeweils 200.000 Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung. Damit soll auch die Möglichkeit für mehr Beratung geschaffen werden.

Die zur Vertragsunterzeichnung nach Wiesbaden angereisten Kommunalpolitiker versprechen, das Geld sinnvoll einzusetzen. Heinz Schreiber, Erster Beigeordneter im Lahn-Dill-Kreis, verweist auf ein dort bereits in Angriff genommenes Projekt zum Schutz des Braunkehlchens. Er berichtet, dass Naturschutzverbände vor Ort oft überaltert und Ehrenamtliche kaum ohne professionelle Unterstützung zu gewinnen seien. Schon deshalb sei das Geld auch für neue hauptamtliche Kräfte erforderlich.

Der Wetterauer Landrat Joachim Arnold stellt den allein 7400 Hektar umfassenden Auenverbund in seinem Landkreis heraus. So gelte es, den Bestand der großen Zahl an Weißstörchen vor Ort zu sichern. Aber auch Biber und Amphibien sollten mit entsprechender Flächenbewirtschaftung geschützt werden. Der für Landwirtschaft zuständige Dezernent Friedrich Schäfer aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg wiederum spricht von 30 000 Hektar Grünland dort, von denen die Hälfte extensiv, also natur- und flächenschonend, bewirtschaftet werde. In der nordhessischen Region gilt dem Schutz des Schwarzstorchs besonderes Augenmerk. Zudem soll dort ein "sanfter" Tourismus gefördert werden.

Strategie zur Biodiversität

Ministerin Hinz nennt unter anderem intensive Pflegemaßnahmen wie Heckenpflege, naturschutzgerechte Nutzung von Grünland, das Freischneiden von Flächen, die zuzuwachsen drohten, sowie den Schutz von Gehölzen und Feuchtgebieten als nur einige der anstehenden Aufgaben. Das ganze Projekt sei ebenso wie die Ausweisung entsprechender Naturschutzflächen Teil der Strategie des Landes zur Biodiversität, also dem Streben nach Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen, so die Umweltministerin. (Bild: dpa)