Länder

Umwelt Naturschutzreferent des BUND schlägt die Einrichtung nur der Natur überlassener Schutzzonen in der Rhön vor

„Ein Park ohne Ländergrenzen“

Frankfurt.Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) setzt sich für einen länderübergreifenden Nationalpark Rhön in Bayern und Hessen ein. Thomas Norgall (Bild), Naturschutzreferent des BUND Hessen, sieht darin eine sehr gute Ergänzung zum bestehenden Biosphärenreservat Rhön, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte.

Herr Norgall, der BUND hat einen länderübergreifenden Nationalpark in der bayerischen und hessischen Rhön vorgeschlagen. Wozu brauchen wir einen Nationalpark, wenn es doch schon das Biosphärenreservat Rhön gibt?

Thomas Norgall: Nationalpark und Biosphärenreservat haben ganz unterschiedliche Zielsetzungen. Nationalpark ist nach internationaler Vereinbarung eine Fläche, auf der sich die Natur auf zumindest 75 Prozent der Fläche völlig frei entwickelt, also ohne wirtschaftliche Beeinflussung durch den Menschen. Man kann dort zwar dann noch spazieren gehen, aber man erntet dort nichts und baut nichts an. Beim Biosphärenreservat geht es um den Erhalt einer Kulturlandschaft mit all dem, was diese ausmacht. Da gehört die Landnutzung dazu. Auf nur einem ganz kleinen Anteil von drei Prozent soll sich dort die Natur entwickeln, wie sie selbst will. Bei den anderen 97 Prozent geht es um eine komplette Regionalentwicklung, da ist der Mensch vollständig integriert mit allen Ansprüchen, die er hat.

Und beides zusammenzufassen, wäre das Neue an dem Projekt in der Rhön?

Norgall: Eine solche Kombination gibt es schon im Wattenmeer. Da erstreckt sich das Biosphärenreservat komplett über die Inseln mit allen touristischen Einrichtungen. Der Nationalpark beschränkt sich auf das eigentliche Wattenmeer mit seinen großflächigen Schutzzonen ohne jede Nutzung. Wenn es in der Rhön dazu kommt, wird man im bayerischen Teil große Teile der Waldflächen aus der Nutzung nehmen, in geringerem Umfang auch in Hessen. Insgesamt kann beides auch einen Beitrag gegen die Landflucht leisten.

Wie das?

Norgall: Etwa, indem sich der Tourismus entwickelt und die Menschen wieder Einkommensmöglichkeiten haben.

Wie groß wäre denn der hessische Teil eines solchen Nationalparks?

Norgall: Die Initiative ging ja vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer aus, der die bayerische Rhön oder die Donauauen als künftigen Nationalpark vorschlug. Noch ist nicht entschieden, welches dieser beiden Gebiete zum Zuge kommt. Der BUND hat sich klar für die Rhön ausgesprochen. Es war einmal davon die Rede, dass etwa 2000 der insgesamt 10 000 Hektar auf Hessen entfallen. Aber das ist noch offen, der Löwenanteil der Fläche wird in Bayern sein. Hessen alleine wird da keinen Nationalpark schaffen können. Wichtig ist aber, dass die Schutzfläche im Fall des Falles nicht an Landesgrenzen endet.

Und auf die Unterstützung der hessischen Landesregierung vertrauen sie?

Norgall: Umweltministerin Priska Hinz hat bei einem Besuch in Fulda gesagt, das Projekt sei interessant, wenn der Nationalpark das gesamte Biosphärenreservat aufwerten würde. Das ist genau die richtige Perspektive.

Was spricht denn gerade für die Rhön als Nationalpark?

Norgall: Dass möglichst viel Waldfläche sich selbst überlassen bleiben soll, darüber herrscht völliges Einverständnis im politischen Raum. Zuletzt war im Bund von zwei Prozent des Landesfläche als natürliche Wildnis die Rede. Und das Biosphärenreservat ist ja mit Bayern, Hessen und Thüringen schon länderübergreifend. Der Wandertourismus würde weiter gestärkt, was auch Übernachtungsgäste anzieht und beispielsweise die Gastronomie stärkt, wie sich bereits im hessischen Nationalpark Kellerwald gezeigt hat.

Und welche Argumente gibt es aus biologischer Sicht?

Norgall: Dass die Rhön ein wenig besiedeltes Gebiet mit schon vorhandenen Schutzflächen ist. Auch das Rote Moor in Hessen und das Schwarze Moor in Bayern könnte man gut einbinden. Und es gibt große Wald- und Wiesenflächen, die gut für seltene Tier- und Pflanzenarten sind. Überlässt man Wald und die Natur sich selbst, werden die Bäume letztlich viel größer und älter als sonst. Nur in großen und alten Buchen etwa kann der Specht Höhlen bauen, auch für Fledermäuse und Pilze wäre eine solche natürliche Entwicklung gut. Und Käferarten, die altes Holz zerlegen, würden dann einen Beitrag zum Schutz der Natur leisten und nicht mehr nur als Schädlinge im Sinn der Holzwirtschaft gelten.

Wann rechnen Sie denn mit einer Entscheidung, und wie schätzen Sie die Chancen ein?

Norgall: Bayern kommt da eine Schlüsselrolle zu. Die Entscheidung dürfte noch vor der dortigen Landtagswahl im Herbst fallen. Die Chancen sind aus meiner Sicht gut. Es handelt sich ja weit überwiegend um Staats- oder kommunalen Wald. Und doch noch betroffene private Forsteigentümer würden entschädigt. (Bild: privat)