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Kultur Das Land schafft zehn neue Personalstellen an Museen

Digitale Kunst als Lockmittel fürs Publikum

Wiesbaden.Die Schätze der hessischen Kultureinrichtungen sollen bald noch umfassender im Internet präsentiert werden. Dazu hat die Landesregierung zehn zusätzliche Stellen für Digitalmanager vor allem in den Museen geschaffen und weitere drei Millionen Euro an Sachmitteln für die einzelnen Häuser bereitgestellt. Die Sorge, dass es deshalb weniger Ausstellungen in den Häusern selbst geben werde, versucht Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) aber gleich zu zerstreuen: Im Gegenteil wird mit einer besseren Vermittlung der Kunstgüter angestrebt, zusätzliche Besuchergruppen zu gewinnen.

Dorn und Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) stellten die Pläne am Mittwoch in Wiesbaden vor. Zum Teil sollen sie auch aus dem kreditfinanzierten Corona-Sondervermögen des Landes finanziert werden. Mit Ausbruch der Pandemie waren bekanntlich viele Museen und andere Kultureinrichtungen gezwungen, ihre Häuser erst einmal zu schließen. Einige, die schon früh mit der Digitalisierung ihrer Bestände begonnen hatten, konnten gut damit umgehen. Andere mussten notgedrungen kurzfristig auf digitale Formate ausweichen.

Mit seinen Maßnahmen will das Land jetzt dafür sorgen, dass alle Einrichtungen die Digitalisierung als Zukunftsprojekt und Daueraufgabe umfassend angehen. Schließlich könnten digitale Formate vielen Menschen den Zugang zu Kulturgütern erleichtern oder überhaupt erst neu eröffnen, argumentiert Dorn. Schließlich seien so die Museumsbestände unabhängig von Zeit und Raum allen zugänglich.

Tausende Klicks

Das landeseigene Museum Wiesbaden, in dem die Pressekonferenz der beiden Ministerinnen am Mittwoch stattfand, hat damit auch gute Erfahrungen gemacht und sieht das Vorurteil widerlegt, die Menschen könnten sich den Weg vor Ort sparen, wenn sie alles bequem im Internet anschauen könnten. So gab es Tausende von Klicks auf der Webseite des Museums zu den Bildern Alexej von Jawlenksys und Maria von Werefkins, die als Ausstellung im Haus coronabedingt nach nur ganz kurzer Zeit geschlossen werden musste. Als sie später doch wieder gezeigt werden konnte, erwiesen sich die digitalen Kostproben als erfolgreiches Lockmittel: Die Besucher strömten erst recht ins Museum.

Ausbau in allen Bereichen

Mit den zusätzlichen Stellen und Geldern soll die Digitalisierung der Kultureinrichtungen sowohl bei Infrastruktur, Verwaltung und Personal als auch der Erschließung der Sammlungen, dem Erstellen digitaler Abbilder sowie der besseren Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut werden. Bei den zehn neuen Stellen handelt es sich vor allem um Digital-Manager für die Landesmuseen in Darmstadt und Wiesbaden, die Museumslandschaft Kassel, das Landesamt für Denkmalpflege sowie die Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen. Hinzu kommen vier Stellen im Landesarchiv sowie die eines wissenschaftlichen Mitarbeiters im Landesamt für geschichtliche Landeskunde.

Von den drei Millionen Euro weiteren Haushaltsmitteln für die Digitalisierung der Kultur kommen 1,2 Millionen aus dem Corona-Sondervermögen des Landes. Mit den Geldern sollen die Digitalisierung vor Ort vorangetrieben, aber auch Sonderprojekte wie eine virtuelle Rekonstruktion der keltischen Siedlung auf dem Glauberg, die Visualisierung der baulichen Entwicklung am Schloss Bad Homburg oder ein 360-Grad-Panorama des Joseph-Beuys-Blocks im Landesmuseum Darmstadt finanziert werden.

Ganz praktische Pläne hat wiederum das Museum Wiesbaden: Eine App soll auch Besuchern, die in der Mittagspause nur eine halbe Stunde Zeit für den Museumsbesuch haben, in der kurzen Zeit eine Führung zu ausgewählten Exponaten ermöglichen. Eine andere Anwendung wiederum „fühlt“, wo der Besucher gerade ist, und verweist ihn mit einer Vibration auf dem Smartphone auf besonders interessante Werke, die gerade in seiner Nähe sind, und erläutert sie.