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Religion Tibethaus Frankfurt soll Zentrum des Buddhismus werden / Spirituelles Oberhaupt verspätet sich wegen eines Defekts

Dalai Lama verpasst Eröffnung

Frankfurt.Der Dalai Lama ist nicht zuletzt dank seiner Freundschaft mit dem ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch regelmäßig zu Gast in Frankfurt und manchmal auch Wiesbaden. Ausgerechnet zum Höhepunkt und Auftakt seines diesjährigen Besuchs, der Eröffnung des neuen Frankfurter Tibethauses, aber muss er gestern passen. Die Maschine, mit der das geistliche Oberhaupt der Tibeter von Irland in die Mainmetropole fliegen will, kann wegen eines technischen Schadens nicht starten. Der Ersatzflug wiederum kommt so spät an, dass der 82-Jährige die Teilnahme an der Eröffnungsfeier kurzfristig absagen und sein Besuchsprogramm in Frankfurt von drei auf zwei Tage verkürzen muss. Unter den 500 geladenen Gästen gibt es zwar zunächst einige lange Gesichter, aber Geduld und Bescheidenheit sind ja auch buddhistische Tugenden, so dass sie schließlich doch fröhlich feiern.

Und die anwesenden Politiker aus Stadt, Land und Bund legen sich demonstrativ die oft vom Dalai Lama überreichten weißen Schals als Zeichen der Verbundenheit mit den in ihrer Heimat von der chinesischen Kommunistischen Partei unterdrückten Tibetern um. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), Ex-Regierungschef Koch, Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU), Staatssekretär Manuel Lösel als Vertreter der Landesregierung und der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker (CDU) - alle begeben sich so gewandet auf die Bühne im Garten des neuen Tibethauses. Und bei all der Würdigung müssten dem Dalai Lama eigentlich auch im fernen Irland noch die Ohren klingen.

Lob von Politikern

Claudia Roth preist seine "unermessliche spirituelle Kraft" und bezeichnet den Friedensnobelpreisträger als Brückenbauer in einer Welt voller Sprengmeister. Die Grünen-Politikerin wurde nach eigenen Angaben vom Dalai Lama auch zum weiteren Einsatz für den Klimaschutz ermutigt, schließlich seien auf dem Dach der Welt in Tibet mittlerweile auch schon 20 Prozent der Gletscher geschmolzen, berichtet sie. Noch sehr viel besser kennt Roland Koch den tibetischen Geistlichen, mit dem er auch lange nach dem Ausscheiden aus der hessischen Landespolitik noch eine enge Freundschaft pflegt und beispielsweise eine Feier zu dessen Geburtstag ausgerichtet hat. Jahre bevor er Ministerpräsident wurde, setzte sich Koch als junger Abgeordneter zusammen mit je einem Kollegen aus SPD und FDP schon vor mehr als einem Vierteljahrhundert erfolgreich dafür ein, dass der andernorts aus politischer Rücksichtnahme gegenüber China gemiedene Dalai Lama im Hessischen Landtag sprechen durfte. Und als Regierungschef empfing er ihn trotz aller Proteste von chinesischer Seite und auch Vorbehalte aus der Wirtschaft, die ihre Geschäfte mit dem Reich der Mitte gefährdet sah. Koch ließ sich nicht beirren und nahm auch den weißen Schal des Tibeters gerne entgegen. Im Tibethaus wies der 2010 aus der Politik ausgeschiedene CDU-Mann darauf hin, dass Frankfurt jetzt ein großes chinesisches Generalkonsulat und eben das Tibethaus beherbergt. Koch gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Regierung in Peking und die Tibeter eines Tages doch noch Frieden miteinander schließen.

Heimische Kultur sichtbar machen

Doch bis dahin scheint es ein langer Weg zu sein. Kelsang Gyaltsen, enger Vertrauter und langjähriger Gesandter des Dalai Lama bei der EU, betont zwar, dass dieser nie eine Abspaltung von China, sondern nur eine echte Autonomie Tibets gefordert habe. Doch er berichtet zugleich von der sich verschärfenden Unterdrückung seiner Landsleute in der Heimat. Kultur und Sprache würden zurückgedrängt, immer mehr Chinesen dort zwangsangesiedelt. Die Tibeter werden mehr und mehr zur Minderheit im eigenen Land.

Umso wichtiger sei die Mission des Dalai Lama, die heimische Kultur überall in der Welt sichtbar zu machen, sagt Koch. Den wiederum lobt Puntsok Tsering vom Vorstand des Tibethauses als wahren Freund seiner Landsleute. Dass der Dalai Lama nach 2014 und 2015 ein weiteres Mal zu einem mehrtägigen Besuch nach Hessen kommt, hängt auch mit der Amtszeit des ehemaligen Ministerpräsidenten zusammen. Sein Besuchsprogramm heute und morgen will der Tibeter auf jeden Fall absolvieren. Dazu gehören vor allem Auftritte vor rund 9000 Menschen in der Frankfurter Jahrhunderthalle.