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Pandemie Baden-Württemberg weitet Überprüfung auf besonders gefährdete Gruppen aus / Leiharbeiter von Schlachtbetrieben im Fokus

Corona-Tests nur mit Anlass

Archivartikel

Stuttgart.Das Land weitet die Corona-Tests aus. Künftig sollen neben Personen mit den typischen Symptomen auch besonders gefährdete Gruppierungen regelmäßig getestet werden. Dazu zählt unter anderem das Personal an Krankenhäusern sowie im Pflegebereich. Zudem sollen Patienten getestet werden, wenn sie neu in eine Klinik kommen. Das Gleiche gilt für neue Bewohner eines Pflegeheims. Dies erklärten Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manne Lucha (beide Grüne) am Dienstag in Stuttgart bei der Vorstellung der neuen Corona-Teststrategie des Landes.

Flächendeckende, kostenlose Tests für alle Bürger wie in Bayern soll es im Südwesten jedoch nicht geben. Dieses Verfahren sei zum einen zu kostenintensiv, zum anderen seien solche Tests für alle in der aktuellen Infektionslage nicht zielführend. „Wir wollen das Grundprinzip der Anlassbezogenheit nicht verlassen“, sagte Lucha. Das heißt: Außer besonders gefährdeten Gruppierungen sollen vor allem infizierte Personen sowie Menschen aus deren Umfeld – also Kontaktpersonen – getestet werden. Hierzu zählen auch Menschen, deren Kontakt aus der Corona-Warn-App hervorgegangen ist. Flächendeckend Menschen zu testen sei aktuell nichts anderes als „Fischen im Trüben mit einer Halbwertszeit von zwei Tagen“, so Lucha weiter. Denn ein negativer Test sei nur eine Momentaufnahme – und könne zu einer falschen Sicherheit in der Bevölkerung führen.

Streit wegen Kitas

Nach den bundesweiten Vorfällen in Schlachtbetrieben sollen dort – ähnlich wie in Krankenhäusern – verstärkt Corona-Tests durchgeführt werden. Vor allem Leiharbeitern soll eine Speichelprobe entnommen werden, bevor sie erstmals in einem Unternehmen tätig sind. Wegen der hohen Fluktuation bei den Arbeitern, die vor allem aus Südosteuropa kommen und regelmäßig in ihre Heimat pendeln, sind diese nach Einschätzung der Landesregierung besonders gefährdet, am Virus zu erkranken und dieses zu verbreiten.

Außerdem sollen alle Mitarbeiter in Schlachtbetrieben in Baden-Württemberg einmalig auf das Coronavirus getestet werden. Steigen in einer Region Baden-Württembergs die Infektionszahlen deutlich an, ist in diesem Gebiet eine deutliche Ausweitung der Tests vorgesehen. Weiter keine Einigung erzielte die Landesregierung beim Umgang mit Corona-Tests an Schulen und in Kitas. Dieser Bereich wurde daher aus der aktuellen Teststrategie rausgenommen. Am kommenden Donnerstag wollen die Koalitionspartner hierzu weitere Gespräche führen. Lucha macht sich für stichprobenartige, wöchentliche Tests von Kindern, Schülern sowie vom Personal in jeweils zwei Stadt- und Landkreisen stark. Wie bereits berichtet trägt Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dieses Vorgehen nicht mit. „Wir erwarten, dass allen Lehrkräften sowie allen Erzieherinnen und Erziehern freiwillige Testmöglichkeiten angeboten werden. Länder wie Bayern und Sachsen gehen hier als positive Beispiele voran“, erneuerte Eisenmann ihre Forderung.

Seit diesem Montag befinden sich die Kitas und Grundschulen im Südwesten wieder im Regelbetrieb. Das Abstandsgebot wurde aufgehoben. Laut dem Lehrerverband VBE herrscht aber nach den Corona-Fällen an Schulen im Landkreis Göppingen und an einem Gymnasium in Bretten Verunsicherung unter den Pädagogen. Verdi-Landeschef Martin Gross erklärte, Grün-Schwarz lasse das Personal in Kitas und an Schulen mit seinen Sorgen alleine.

Laut dem gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rainer Hinderer, folge die grün-schwarze Teststrategie zwar den aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen. Allerdings sei sie nicht vollständig: „Dass in einer solch entscheidenden Frage die wesentlichen Teile zu den Kitas, Grundschulen und Schlachthöfen nicht abgestimmt sind, spricht Bände über den Zustand der Regierungskoalition“, so Hinderer.

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