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Luftverkehr Wegen technischen Defekts bricht Pilot Flug von Frankfurt nach Orlando ab / Treibstoff geht über Pfalz, Saarland, Hunsrück und Eifel nieder

Boeing lässt enorme Mengen Kerosin regnen

Mannheim.Die Reise sollte nach Orlando gehen. Doch weit kam die Boeing 747 der Lufthansa, die am Freitag gegen 14 Uhr in Frankfurt abhob, nicht. Wegen eines technischen Problems an Bord musste die Maschine umkehren und in die Mainmetropole zurückfliegen. Dabei ließ sie 75 Tonnen Kerosin über der Pfalz, dem Saarland, dem Hunsrück und der Eifel ab. Eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DF) bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Die Rheinpfalz" von gestern. Professor Bernd Kaina, Direktor des Instituts für Toxikologie an der Universitätsmedizin in Mainz, hält den Abwurf von Kerosin für gefährlich, weil dadurch unter anderem der krebserregende Stoff Benzol in die Atemluft gerät.

Kurz nach 14 Uhr meldete der Pilot der Flugsicherung in Langen ein Problem mit dem Fahrwerk. Weil er den Flug nach Amerika für zu gefährlich hielt, beschloss er, zurückzufliegen. "Die Entscheidung trifft der Pilot", erklärt die Sprecherin. Das Problem: Ein vollgetanktes Flugzeug sei schwer, was bei der Landung gefährlich werden könne. Beim Aufsetzen auf die Landebahn könnte es Beschädigungen, vor allem am Fahrwerk, geben. Also müsse Sprit abgelassen werden. Und das gehe nicht überall. Der Fluglotse in Langen müsse den Piloten in Areale lenken, die bestimmte Kriterien erfüllen. "Die Gebiete dürfen nur dünn besiedelt sein", so die Sprecherin. Außerdem müsse der Flieger mindestens 18 000 Fuß hoch fliegen, das entspricht etwa fünfeinhalb Kilometern. Die Wahl fiel auf ein Gebiet zwischen Kaiserslautern, Sankt Wendel, Homburg und Neustadt/Weinstraße. Dass Treibstoff abgelassen wurde, war eine Maßnahme, die nur in Ausnahmefällen ergriffen wird. Kerosin ist nämlich teuer: Eine Tonne kostet rund 800 US-Dollar, das sind etwa 673 Euro.

Im Jahr 2016 kam es insgesamt 16 Mal vor, dass ein Flugzeug Sprit abwerfen musste, in diesem Jahr bisher bereits zwölf Mal. Die Flugsicherung findet, das sei relativ selten, angesichts der drei Millionen Flüge, die sie im Jahr überwacht. Auffällig ist jedoch die Menge an Treibstoff. Im April gab es einmal einen Abwurf von 59 Tonnen, im Mai und im März erleichterten sich Maschinen um jeweils 54 Tonnen. Mit der Menge vom Freitag waren das die mit Abstand höchsten Werte des Jahres.

Krebserregender Stoff

Das Kerosin selbst ist für Mensch und Umwelt relativ ungefährlich. Es sind die beigesetzten Inhaltsstoffe, allen voran das krebserregende Benzol, das Grund zur Sorge gibt. Mit einer Halbwertszeit von drei Tagen verdampfe Benzol nicht so schnell wie Kerosin und gelange damit auch in die Luft, die der Mensch atmet, erklärt Professor Kaina. "Es lässt sich nicht genau prognostizieren, wie viel letztlich unten ankommt." Durch Wind und Wetter verteile sich der Stoff nämlich. In Kerosin ist Benzol zu einem Prozent enthalten. Bei einem Abwurf von 75 Tonnen werden also 0,75 Tonnen Benzol freigesetzt. Im Jahr werden in Deutschland rund 3000 Tonnen Benzol durch Straßenverkehr in die Luft geblasen. So ein Abwurf sei wegen der krebserregenden Wirkung vor allem ein Problem für den Menschen, meint Professor Kaina: "Die Natur steckt das weg."