Länder

Schulen Baden-Württemberg belegt in bundesweitem Vergleich vorletzten Platz

"Bildungsniveau massiv gesunken"

Stuttgart.Baden-Württemberg rutscht im bundesweiten Schulvergleich weiter ab. Dies ist das Ergebnis des neuen IQB-Bildungstrends, an dem bundesweit etwa 30 000 Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus über 1500 Schulen teilnahmen.

Von Mai bis Mitte Juli 2016 wurden die Kompetenzen der Viertklässler in Deutsch und Mathe getestet. In einer ersten Bewertung, die in Stuttgarter Regierungskreisen schon vor der Veröffentlichung der Studie im Umlauf ist, heißt es: "Das Bildungsniveau ist vom Jahr 2011 auf 2016 in ganz Deutschland massiv gesunken, vor allem in zwei Bundesländern: Bremen und Baden-Württemberg. Baden-Württemberg hat die Talsohle noch nicht erreicht." Der Schriftverkehr liegt dieser Zeitung vor.

Nur noch Bremen ist laut dem Papier beim neuen bundesweiten IQB-Bildungstrend hinter dem Südwesten platziert. Damit setzt sich in Baden-Württemberg der Negativtrend fort, der schon in früheren Bildungsstudien zu erkennen war. Morgen wird Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) in ihrer Funktion als Präsidentin der Kultusministerkonferenz die Ergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen. Gestern wollte sich die CDU-Politikerin noch nicht zu den Ergebnissen des IQB-Bildungstrends äußern.

Mehrere Bereiche abgefragt

Bei diesem wurden in Deutsch die Schüler in den Bereichen "Lesen", "Zuhören" und "Orthografie" getestet, in Mathematik in den Bereichen "Zahlen und Operationen", Raum und Form", "Muster und Strukturen", "Größen und Messen" sowie "Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit". Allerdings heißt es in dem Schreiben weiter, kein Bundesland habe laut der Studie "eine bildungspolitisch nachhaltige Antwort auf die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft zugunsten einer gelingenden Kompetenzvermittlung".

Probleme gebe es außerdem bei der Inklusion und der bildungspolitischen Bewältigung der Zuwanderung. Letztere betreffe Baden-Württemberg besonders stark.

Weiter werden zur Verbesserung der Schülerkompetenzen messbare und dokumentierte Leistungsdaten der Schüler und der Schulen gefordert. Zudem gibt es auch eine Einschätzung darüber, dass der gemeinsame Unterricht "leistungs- und begabungsheterogener Schüler" sowie "inklusiv zu beschulender Schüler" mit Blick auf die Ergebnisse der IQB-Bildungstrends zu hinterfragen sei.

Die Grünen-Fraktion im Stuttgarter Landtag geht derweil mit einem Konzept in die Offensive, mit dem die Qualität an den Grundschulen verbessert werden soll. Das Papier liegt dieser Zeitung vor. Zur Sicherstellung der Unterrichtsversorgung werden unter anderem 200 zusätzliche Studienplätze an den Pädagogischen Hochschulen für das Grundschullehramt gefordert. Teil-Deputate sollen begrenzt werden und es soll Anreize geben, Deputate aufzustocken.

Zudem will die Landtagsfraktion der Grünen die Schulleitungen stärken. So sollen auch Schulleiter kleinerer Schulen in die Besoldungsgruppe A13 hochgesetzt werden. Zudem planen die Grünen, Schulleiter von Verwaltungsarbeiten zu befreien, damit sie mehr Zeit für ihre Führungsaufgaben haben.