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Konflikt Plötzliches Ende des Abrüstungsvertrags weckt neue Befürchtungen / Atombomben sollen in der Nähe von Büchel gelagert sein

20 Wochen Protest gegen Waffen

Büchel.Die USA haben den INF-Abrüstungsvertrag für atomar bestückbare Mittelstreckenwaffen gekündigt, Russland hat ihn ausgesetzt. Das Abkommen aus dem Jahr 1987 untersagt den Bau und Besitz landgestützter atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper.

Das weckt in der abgelegenen Eifel neue Befürchtungen: Auf einem Bundeswehr-Fliegerhorst in der Nähe der Gemeinde Büchel (Landkreis Cochem-Zell) liegen nach unbestätigten Informationen die letzten US-Atombomben in Deutschland. Rund 20 sollen es sein, mit jeweils der vierfachen Sprengkraft der Bombe von Hiroshima. Im Ernstfall soll die deutsche Luftwaffe sie abwerfen. Die Proteste dagegen könnten in diesem Sommer stärker als im Vorjahr werden. „Die Vorstellung macht mir große Sorgen, dass wir Zielgebiet werden könnten“, sagt Friedensaktivist Rüdiger Lancelle aus Cochem. „Bisher waren wir das wegen des INF-Vertrags zumindest offiziell nicht.“

Die Vermutung von Experten, dass die Atombomben in Spezialbunkern auf dem Fliegerhorst Büchel in den kommenden Jahren durch modernere ersetzt werden könnten, werde wahrscheinlicher. „Es ist menschenverachtend, dass Menschen solche Bomben bauen“, kritisiert der 79-jährige evangelische Laienprediger. Elke Koller, Apothekerin im Ruhestand, sagt mit Blick auf Russlands angekündigte neue Raketen, der Fliegerhorst könnte bei einem militärischen Konflikt zwischen Washington und Moskau zu den ersten Zielen zählen: Büchel und der US-Militärflughafen Ramstein in der Pfalz rückten mehr in die Gefahrenzone. Die 76-jährige Friedensaktivistin aus Leienkaul in der Eifel ergänzt, dass es auch in diesem Jahr einen 20-wöchigen Protest gegen die US-Atomwaffen in dem Fliegerhorst gebe.

„Die sind gut gesichert“

Deutsche und US-amerikanische Streitkräfte, Bundesregierung und rheinland-pfälzische Landesregierung äußern sich offiziell nicht zu den in Büchel vermuteten Atomwaffen. Das dortige Taktische Luftwaffengeschwader 33, der größte „Tornado“-Verband der Deutschen Luftwaffe, nennt generell „Luftangriff“ als seinen primären Auftrag: „Mit verschiedensten Wirkmitteln ist der Verband in der Lage, unter anderem Luftnahunterstützung für Bodentruppen zu leisten und harte, tiefe und weit entfernte Ziele zu bekämpfen.“

Bis vor Kurzem ist der Fliegerhorst nur mit einem relativ leicht zu überwindenden Zaun umgeben gewesen. Immer wieder sind Demonstranten auf das Militärgelände eingedrungen, immer wieder ist es deshalb zu Gerichtsverfahren in Cochem und Koblenz gekommen. Mittlerweile zieht sich ein zweiter, höherer Zaun mit Natodraht um das Gelände. Laut Lancelle nur vorübergehend: Danach komme für Millionen ein noch besserer Zaun.

Wenig Sorgen um die vermuteten Atomwaffen macht sich der 62-jährige Rudi Heinen aus Büchel: „Die sind gut gesichert.“ Der Fluglärm der „Tornados“ sei nicht schön. „Aber man hat sich daran gewöhnt.“