Ladenburg

Ladenburg Gespräch mit Grünen-Kandidaten / Hauptthemen: nachhaltiges Wirtschaften und generationenfreundliche Stadt / Absage an Massentourismus

„Wir wollen hier kein Heidelberg“

Die Ladenburger Grünen entsenden Spitzenkandidatin Jennifer Zimmermann und Stadtrat Maximilian Keller, der auf Platz vier der Liste steht, zum Gespräch mit dem „Mannheimer Morgen“. Dabei geht es vor allem um die beiden Hauptthemen: nachhaltiges Wirtschaften und „generationenfreundliches Ladenburg“.

Nachhaltigkeit: „Nachhaltiges Wirtschaften“ ist ein vielfältiger Begriff. Was meinen die Grünen damit konkret für Ladenburg? „Wir würden gern den Passivhausstandard bei Neubauten der Stadt umsetzen“, erläutert Keller. So könne man beispielsweise beim Energieverbrauch der neuen Sporthalle langfristig Kosten sparen. Ein solches Gebäude müsse kaum beheizt werden, weil es stark gedämmt sei und weil Solarenergie eingesetzt werde. Allerdings: „Das ist ein hehres Ziel; wir müssen sehen, ob das im Gemeinderat durchsetzbar ist“, so Keller. Jennifer Zimmermann erklärt das Grundprinzip: „Wir sehen uns nicht nur an, was ein Projekt in den ersten Jahren kostet, sondern langfristig.“

Wirtschaft: Zum nachhaltigen Wirtschaften zählt für die 29-jährige Wirtschaftsinformatikerin auch die Ansiedlung von innovativen jungen Existenzgründern, um hochwertige Arbeitsplätze zu bekommen. Um diese Firmen anzuwerben, wollen die beiden Grünen eine Stelle für Wirtschaftsförderung schaffen. Keinesfalls möchten sie, dass sich auf den brachliegenden Flächen Betriebe ansiedeln, die viel Platz, aber kaum qualifizierte Arbeitskräfte benötigen.

Tourismus: Eine nachhaltige Entwicklung wünscht sich Jennifer Zimmermann auch für den Tourismus. Sie setzt dabei vor allem auf Einzelbesucher, kleine Gruppen und Familien sowie Firmen. Keller ergänzt: „Wir wollen keinen schnellen Massentourismus. Wir wollen hier kein Heidelberg.“ Zimmermann möchte einen Runden Tisch mit Gastwirten, Hoteliers, Museen und interessierten Bürger etablieren, um dieses Ziel zu erreichen: „Wir haben etwas zu bieten, und das wollen wir qualitätvoll vermarkten.“ Und werde das mit der Bevölkerung entwickelt, gebe es auch mehr Akzeptanz.

Verkehr: Beim Thema Verkehr setzten die beiden Grünen auf den Öffentlichen Personennahverkehr, den Ausbau der Infrastruktur für Fahrräder und die Förderung des Carsharing-Angebots. Sie wollen eine Bushaltestelle sowie Park-and-Ride-Plätze am Bahnhof, mehr und abschließbare Fahrradständer auch in der Altstadt, selbst wenn dafür einige Autostellplätze entfallen. Zwecks Müllvermeidung möchten sie zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Vereinen für Sportveranstaltungen oder mit Geschäften Lösungen finden.

Generationen: Auch hinter dem Großthema „generationsfreundliches Ladenburg“ verbergen sich viele Aspekte: von Kinderbetreuung, Schulen, über bezahlbares Wohnen bis zur Barrierefreiheit und anderem mehr. Um günstigen Wohnraum zu erhalten, fordern die Grünen die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft, die mit städtischen Grundstücken ausgestattet wird. Zudem plädiert Jennifer Zimmermann für die Schaffung eines Bürgerhauses, das Vereinen und generell Ehrenamtlichen zur Verfügung stehen soll: „Denn eine Stadt lebt vom bürgerschaftlichen Engagement.“ Zum einen gebe es nämlich die Räumlichkeiten im evangelischen Gemeindehaus bald nicht mehr, zum anderen brauche man wegen der Neubürger zusätzliche Kapazitäten. Maximilian Keller kann sich ein Ruftaxi vorstellen, das Menschen mit eingeschränkter Mobilität im Bereich der Stadt zur Verfügung stehen soll. Und generell möchte Jennifer Zimmermann bei allem, was in der Stadt entschieden wird, eine breite Diskussion der Bevölkerung.