Ladenburg

Ladenburg FDP-Stadtrat Wolfgang Luppe plädiert für realistische Hallennutzungsgebühren

„Gute Finanzlage weckt Begehrlichkeiten“

Archivartikel

Die Sommerpause gilt als Halbzeit des kommunalpolitischen Jahres. Eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, einen Ausblick zu wagen und über Ziele zu sprechen. FDP-Stadtrat Wolfgang Luppe will Kunst und Kultur als weiteres starkes Identifikationsmerkmal neben der Historie und Carl Benz etablieren

Wie sieht Ihre Zwischenbilanz als Stadtrat für 2018 aus?

Wolfgang Luppe: Folgende Ereignisse sehe ich als besonders erwähnenswert. Wir hatten zwei Veranstaltungen, die uns meinem dauerhaft verfolgten Ziel, Ladenburg zu einer Kunst- und Kulturstadt zu machen, ein Stück nähergebracht haben: die Literaturtage, die überregional Menschen angezogen haben, und das Filmfestival zum Thema „Menschenwürde in Afghanistan“. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das so viele Menschen anzieht. Wenn wir das ausweiten können, tun wir Ladenburg einen großen Gefallen. Das zweite Ereignis ist der neue Bürgermeister, der einen anderen Stil hat als der alte. Er pflegt einen nüchternen, sachlichen Stil im Unterschied zu seinem Vorgänger, der sein Amt mit Herzblut und Überschwang ausgeführt hat. Wir haben zudem wichtige Projekte in eine entscheidende Phase gebracht: die Neubaugebiete Nordstadt, Hockenwiese und die Martinshöfe. Das bringt uns Vorteile: Wir bekommen eine verbesserte Altersstruktur, eine Verstetigung der städtischen Einnahmen durch einen höheren Anteil an der Einkommenssteuer und mehr Kaufkraft, von der auch die Altstadt profitieren wird. Auch die Vorbereitung des Bahnhofs auf die S-Bahn ist nach vielen Verzögerungen endlich abgeschlossen.

Gibt es einen bindenden Ratsbeschluss, Teile der gemeindeeigenen Flächen in der Nordstadt in Erbpacht zu vergeben?

Luppe: Es gibt keinen Beschluss. Es gibt einen Vorschlag der CDU, der sehr spät in die Haushaltsberatungen eingebracht wurde, einen wesentlichen Teil der städtischen Grundstücke in Erbpacht zu vergeben. Der Beschluss bezieht sich darauf, dass eine alternative mittelfristige Finanzplanung aufgestellt wird, die die Konsequenzen einer solchen Entscheidung aufzeigt. Ein weiterer Beschluss fällt erst dann, wenn die Vergabe der Grundstücke ansteht.

Wie stellen Sie sich eine Lösung des Hallenproblems vor?

Luppe: Das steht in engem Zusammenhang mit dem Punkt vorher. Denn die alte Lobdengauhalle muss saniert werden, zudem brauchen die Vereine eine neue. Priorität hat die Sanierung der alten Halle, weil sie Schulsporthalle ist. Die aktuelle, recht gute Finanzlage weckt Begehrlichkeiten. Es geht jetzt um die Planung sowohl für Sanierung wie auch für den Neubau und deren Folgekosten. Die neue Halle, in der nach meinen Vorstellungen auch kulturelle Veranstaltungen möglich sein sollen, ist als Anbau an die Lobdengauhalle vorstellbar oder an einem anderen Standort. Wenn aber jetzt der CDU-Vorschlag durchgeht, die Hälfte der städtischen Grundstücke in Erbpacht zu vergeben, dann können wir uns die neue Sporthalle abschminken, weil uns die Einnahmen aus den Verkaufserlösen der Grundstücke in der Nordstadt fehlen. Was mich stört, ist das hohe Anspruchsdenken der Vereine. Immer wenn neue Sportarten oder Vereine auf die Bildfläche kommen, wird von der Stadt die Bereitstellung von Sportstätten gefordert. Um das in Grenzen zu halten, sollten wir Hallennutzungsgebühren in einer Höhe einführen, dass wenigstens die laufenden Kosten gedeckt werden.

Wie bewerten Sie die Arbeit mit Fraktionen und Verwaltung?

Luppe: Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist grundsätzlich sehr gut. Bei den Fraktionen gibt es gelegentlich egozentrische Auftritte Einzelner, die das Klima im Gemeinderat belasten. Ansonsten kann ich nicht klagen.

Wie will sich die FDP für die Kommunalwahlen im Mai profilieren?

Luppe: Wir verfolgen die von mir bereits seit 15 Jahren propagierten Ziele in den Bereichen Wohnungsbau, Stadtmarketing und solide Haushaltsführung weiter. Als Schwerpunkt seit einigen Jahren möchten wir uns für die kulturelle Öffnung der Stadt nach außen weiterhin starkmachen. Meine Vorbereitung und Gründung des Kunstvereins im Jahr 2012 mit einem Kreis Gleichgesinnter war ein markanter Meilenstein hierfür.

Befürchten Sie nicht, dass es dann zu viele Veranstaltungen gibt?

Luppe: Das bereinigt sich von selbst. Die Veranstaltungen, die guten Zuspruch haben, bleiben. Und die anderen werden ausscheiden. Ich möchte die Kunst und Kultur als weiteres starkes Identifikationsmerkmal von Ladenburg neben der Historie und Carl Benz.

Treten Sie erneut zu Wahl an?

Luppe: Das ist eine schwierige Frage. Ich fühle mich noch durchaus fit dafür. Aber auf der anderen Seite täte eine Verjüngung dem Gemeinderat gut. Eine Entscheidung werde ich treffen, wenn die Ergebnisse der Suche nach Kandidaten für unsere Liste auf dem Tisch liegen.

Weshalb haben Sie sich dafür entschieden, das Foto in Ihrem Wohnzimmer zu machen?

Luppe: Sie wissen, dass ich eine neue Hüfte bekommen habe und deshalb noch unbeweglich bin.