Ladenburg

Neckar-Bergstraße Am Sonntag ist Tag des offenen Denkmals / Von Bauernhöfen bis zum jüdischen Friedhof

Die Barockschlösser haben viele europäische Verwandte

Archivartikel

„Entdecken, was uns verbindet“ lautet das Motto des Denkmaltags 2018, das sich auf das Europäische Kulturerbejahr 2018 bezieht. Wie passen die Denkmäler dazu, die am Sonntag im Verbreitungsgebiet dieser Ausgabe für Besucher geöffnet haben?

Das ehemalige Schloss der Grafen von Oberndorff fügt sich schon wegen der internationalen Beziehungen seiner einstigen Besitzer gut ins Schema. Ursprünglich stand hier eine Posthalterei. Vor 1746 erfolgte der Bau eines Herrenhauses, das 1777 Franz Albert von Oberndorff kaufte. Der letzte Umbau wurde 1910 von dem Architekt Leonhard Schäfer durchgeführt. Die klassizistischen Formen finden sich europaweit. Heute ist das Schloss im Besitz der Gemeinde. Einen europäischen Bezug hat auch der sehenswerte Schlosspark. Es handelt sich nämlich um einen englischen Landschaftsgarten.

Das Edinger Schlösschen war im Besitz von Adelsfamilien, die teilweise ebenfalls über Beziehungen in andere europäische Länder verfügten. Das im Barockstil ab 1761 errichtete Gebäude wurde 2011 von der Gemeinde Edingen-Neckarhausen erworben und wird seit 2013 von einem Förderverein verwaltet. Der große Saal im ersten Obergeschoss mit historischen Stuckdecken wird wieder hergestellt. Barockgebäude gibt es in vielen Ländern.

Zum Seckenheimer Wasserturm mit Aufzugsmuseum finden sich dagegen nur schwer europäische Bezüge. Gebaut wurde er von 1909 bis 1911 in Stampfbetonbauweise für die damals selbstständige Gemeinde Seckenheim. 1956 stillgelegt, erwarb ihn 1978 die Familie Lochbühler und ließ ihn ab 2010 sanieren und zu einem privatem Aufzugsmuseum umgestalten.

Fränkische Hofform

Die Fränkischen Bauernhöfe, die in Seckenheim gezeigt werden, repräsentieren die Sonderform eines weit verbreiteten Typs: des Vierseithofs. Dessen Mittelpunkt, der Hof, ist auf allen vier Seiten von Gebäuden umgeben. Charakteristisch für Seckenheim sind Drei- oder Vierseithöfe mit giebelständigen Wohnhäusern, Hoftor und tiefgestaffelten Scheunenzeilen, deren Dächer über 50 Grad Neigung aufweisen. Seit 1983 stehen diese Gebäude als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Das katholische Pfarrhaus in Ilvesheim wird erstmals 1587 erwähnt und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Die Errichtung des neuen Pfarrhauses erfolgte 1748/49 nach Plänen des aus Italien stammenden kurfürstlichen Hofbaumeisters Franz Wilhelm Rabaliatti. Heute befindet sich im Gebäude neben dem Pfarramt die Diözesanstelle Rhein-Neckar.

Ein imposantes Barockensemble bildet das Ilvesheimer Schloss. Der dreistöckige quadratische Hauptbau wurde um 1700 von Lothar Friedrich von Hundheim mit einem imposanten Dachstuhl erbaut, 1750 und 1773 ergänzt um einstöckige Seitenflügel. Auf der Südseite entstanden im 18. Jahrhundert das Ökonomiegebäude und das Amtshaus. 1855 fiel das Schloss an den badischen Staat, und 1868 erfolgte der Einzug der 1826 gegründeten Großherzoglichen Schule für Blinde und Sehbehinderte. Europäisch ist der barocke Baustil.

Wesentlich jünger ist die Johannes-Calvin -Kirche in Friedrichsfeld. Der Entwurf der dreischiffigen Hallenkirche für die ehemals selbstständige Gemeinde Friedrichsfeld stammt von Kirchenbaurat Hermann Behaghel. Zur Einweihung des Gotteshauses 1902 kam auch der Großherzog Friedrich von Baden. Es handelt sich um einen roten Klinkerbau mit Ziergliedern aus hellgelbem Sandstein im neoromanischen Stil, der in ganz Europa zu finden ist. Die Außensanierung erfolgte im Jahr 2000, die Innenrenovierung 2002.

Weniger Verbindendes, sondern eher Trennendes wird mit einer Zollstation verbunden, wie sie in Hirschberg-Großsachsen zu besichtigen ist. Die Kurpfälzer Zollstation wurde 1728 erbaut, um Straßenzoll von Fuhrwerken auf dem Weg zur Frankfurter Messe zu erheben. Es war die einträglichste Zollstation der Kurpfalz. Im Wohnhaus gibt es herrschaftliche Räume mit Stuckdecken, ein barocker Architrav teilt den offiziellen Raum von Privaträumen. Die landwirtschaftlichen Gebäude enthalten originale Bauteile.

Europäische Bezüge hat auch der Jüdische Friedhof in Schriesheim. Denn die wie hier aufrecht stehenden Grabsteine finden sich auf den Friedhöfen deutschstämmiger und osteuropäischer Juden, während portugiesische und spanische Juden flachliegende Grabplatten bevorzugen. Angelegt wurde der Schriesheimer Friedhof mit seinen 72 Gräbern im Jahr 1874. 48 Grabsteine sind erhalten. Die letzte Bestattung erfolgte 1935.