Ladenburg

Ladenburg Umjubelter Auftritt von Dirty Deeds bei Rock at Church schon jetzt legendär / Doch auch Kritik wird laut

„BC“ Pföhler rockt mit Fan auf Schultern

Archivartikel

Von wegen gemütlicher Ausklang: Reibeisenstimme Marcus „BC“ Pföhler aus Schriesheim ist eigens mit dem Fahrrad nach Ladenburg gekommen, um es am Sonntagabend auf dem Altstadtfest noch einmal richtig krachen zu lassen. Schnell steht fest: Das von vielen Hundert begeisterten Hardrock-Fans umjubelte Konzert seiner AC/DC-Coverband namens Dirty Deeds geht in die Geschichte der Benefizreihe Rock at Church (RaC) ein. So voll war es am abschließenden Festivaltag im evangelischen Kirchengarten zuvor noch nie. Und wahrscheinlich auch selten so laut.

Dies ruft neben viel Begeisterung aber auch Kritik hervor, nicht nur unter Anwohnern: „Da wackeln die Kirchtürme, und der Marktplatz wird mit Lärmauflagen überreglementiert“, antwortet Thomas Thieme gestern auf unsere Bitte um die Bilanz vom Fußball-Verein (FV) 03. Dessen Stand leidet am Sonntagabend ebenso wie der tadellose Auftritt von New Band In Town an der Konkurrenz der verlockenden Gitarrenriffs aus dem nahe gelegenen Kirchengarten. „Das sollte man auf einheitliches Level bringen“, fordert Thieme. Ansonsten sei sein Verein „sehr zufrieden“, auch mit dem Sonntag, wie Thieme betont: Die CBG-Bigband habe am Marktplatz ebenso wie Rock-Lady Lenya Krammes für tolle Stimmung gesorgt. „Doch am Abend hat sich alles in Richtung Rock at Church verlagert.“ Das findet Thieme „nicht gut, weil es sich hier um ein Fest für die Vereine handelt“. Außerdem habe der Marktplatz „als zentraler Punkt durch hochqualitative Darbietungen in Gerberstiege und Bischofshof gelitten“.

„Die haben echt abgeräumt“

Dies bestätigt Jörg Boguslawski auf seine Weise: „Am Sonntagabend waren wohl die meisten wie ich im Kirchengarten.“ Der Liederkranz-Chef hat den Vereinsstand am Bischofshof verlassen, wo Next Wave auftraten, um Dirty Deeds zu sehen. „Die haben echt abgeräumt“, sagt Boguslawski. Zuvor liefern die Lokalmatadore von Lenner ein gekonnt druckvoll rockendes und groovendes RaC-Set mit eigenen Songs wie „Schon so lange her“ ab. Das passt unfreiwillig: An ihre Jugend ab den 70ern erinnert viele Besucher das Repertoire der nachfolgenden Hauptgruppe, die das Bühnenlogo mit ihrem eigenen Banner so überhängt, das „Dirty Deeds at Church“ zu lesen ist. Jüngere sind jedoch ebenso angetan: Mit explosiven Klassikern („TNT“), aber auch selten zu hörenden Balladen („Ride On“), lässt das Quintett keine Wünsche offen. Es liefert die erwartet spektakuläre Show ab, die auf dem großen Heavy Metal-Festival in Wacken ebenso schon zweimal zündete wie beim Konzert zur Truppenbetreuung in Kabul.

Schon ihre großen australischen Vorbilder AC/DC fischen aus der Ursuppe des Blues die dicksten Brocken heraus und bereiten daraus ein zeitlos heißes Gebräu. Unverwüstliche Riffrocker wie „The Jack“ klingen simpel, wirken aber schwer ergreifend. Die Zuhörer singen alle Texte mit. „Absolut geil“, befindet Zuhörer Ralf Eisenhut am Ende. „Die Musik ist klasse, nur das eine oder andere Showelement wie Wasserspucken bräuchte ich nicht“, sagt Matt Fedel. „Immer wieder genial“, sagt „Jupp“ Luley. Den vielleicht größten Spaß hat Ruben: Als einer der jüngsten Fans darf er bei „Hell Ain´t A Bad Place To Be“ (Hölle ist gar nicht so übel) auf den Schultern des Frontmannes mitrocken und strahlt die ganze Zeit dabei.

Bands bekommen keine Gage

Ebenso freut sich RaC-Pressesprecher Jan Gerstenberger im Namen des Teams: „Das hat alle Erwartungen erfüllt, wir sind total zufrieden.“ Auch „BC“, dem wilden Mann mit dem extrarauen Sandpapier in der Kehle, hat es gefallen: „Ich finde das klasse, was die Kirche macht, weil es auch für einen guten Zweck ist.“ Kommt doch der Erlös der örtlichen Jugendarbeit, der Flüchtlingshilfe im Jemen sowie einer Schule in Peru zu. Die Kirchengemeinde zahlt den Bands keine Gage. Den Dirty Deeds-Auftritt ermöglichte ein Sponsor, der seine Lieblingsband gerne einmal in Ladenburg hören wollte, ausdrücklich aber nicht namentlich genannt werden möchte. „Wir haben damit erstmals eine Band quasi geschenkt bekommen“, erklärt Diakon Thomas Pilz, beteuert aber: „Dieses Verfahren soll natürlich nicht zum Standard werden.“