Kultur

Zeitgemäß

Schon klar, auch Museen wollen (müssen) mit der Zeit gehen. Das ist zwar an sich nichts Neues, gilt aber womöglich erst recht in einer Zeit, da nicht einmal mehr dem Vatikan zugestanden wird, sich dem Geist der Zeiten zu widersetzen. Also bemühen sich zumal auch klassische Sammlungen im Sinne der Mehrung von Aufmerksamkeit um zeitgemäßes Auftreten. Wie wär’s etwa mit einem Ausstellungstitel, der in Liebe schwelgt? „Kassel... verliebt in Saskia“ heißt eine große, aktuelle Ausstellung der Museumslandschaft Hessen Kassel – eine Ausstellung übrigens, die keinem Geringeren als Rembrandt gewidmet ist, denn Saskia hieß die häufiger von diesem porträtierte Frau des Malers.

Eingebettet wird die Betrachtung allemal hochwertiger Kunst in zeitgeschichtliche Kontexte – so soll laut dem Museum etwa auch die Frage geklärt werden: „Wie sah Dating im 17. Jahrhundert aus?“ Noch Fragen? Durchaus: Warum darf nicht ein berühmtes Porträt, das die Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel selbst besitzt, durch sich allein wirken? Das Bild von Saskia im Profil wird jetzt ergänzt durch Digitaltechnik, wodurch sich die Porträtierte dem Betrachter zuwendet. Wozu eigentlich? Tatsächlich gibt es auch Abbildungen Saskias von vorn, die, falls nicht für die Schau verfügbar, eben in Reproduktionen gezeigt werden könnten. Aber wahrscheinlich erschien so etwas den Machern zu konventionell und sogar altbacken – und also nicht mehr zeitgemäß. Thomas Groß