Kultur

Klassik Duo Camellia im Jüdischen Gemeindezentrum

Zauber des israelischen Kunstliedes

Archivartikel

„Erev schel schoschanim“ – mit diesem alten hebräischen Liebeslied vom Abend der Rosen des Dichters Mosche Dor breiteten Alexandra Fleischmann und Salome Paz vor dem kleinen Kreis der Besucher im Jüdischen Gemeindezentrum einen klangreichen Teppich voller musikalischer Rosen aus. In rund 15 Kunstliedern offenbarten die beiden Gesangssolistinnen, die sich vor zwei Jahren in Berlin zum Duo Camellia zusammengeschlossen haben, die vielfältige Schönheit der israelischen klassischen Vokalmusik.

Es ist ein besonderer Klang, der in den Liedern der Komponisten Paul Ben-Haim, Marc Lavry, Sascha Argow, David Zehavi oder Alexander Boskovich ertönt. Die verschiedensten Einflüsse, die diese aus ihrer west- und osteuropäischen Heimat ins Palästina der 1930er Jahre mitbrachten, vereinen sich in ihren Vertonungen zu einer neuen jüdischen Musik aus wehmütigen und romantischen Weisen mit folkloristischen oder modernen Ansätzen. Die Melodik ist jüdisch-jemenitisch geprägt und enthält Elemente der orientalischen oder sephardischen Juden.

Kraftvolle, wandelbare Stimmen

Begleitet am Klavier von Yorika Kimura, sangen die beiden Solistinnen mit ihrem kraftvollen, wandelbaren Sopran die hebräischen Lieder, die auf religiösen oder poetischen Texten basieren. Zart und melancholisch erklangen die wunderschönen Liebeslieder, beschwörend das Hohelied Salomos, das die Liebe und die Schönheit, das Verlangen und die Hingabe lobpreist. König Salomon, der alttestamentliche Herrscher Israels, inspirierte mit seinen bildgewaltigen Liedern zahlreiche Komponisten. Hier verschmolzen sie in Weisen, die das tiefe Band zwischen Jahwe, dem Namen Gottes im Alten Testament, und dem Volk Israel manifestieren.

Trotz fehlenden Programms, das die Titel der Lieder und deren Komponisten vorstellt, trotz ausschließlich hebräischer Texte und schwer verständlicher Erläuterungen war es ein Liederabend, der durch die wunderbaren Stimmen, die vielfältigen Melodien begeisterte und mit langem Applaus belohnt wurde.