Kultur

Burgfestspiele Lage bereitet Jagsthausen große Sorgen

„Wir werden kämpfen“

„Wir brauchen mehr denn je Freunde“: Der Appell von Roland Halter, Jagsthausens Bürgermeister und Geschäftsführer der Burgfestspiele, traf dieser Tage auf offene Ohren. Die Mitgliederversammlung der „Freunde der Burgfestspiele Jagsthausen“ hatte kurz zuvor Zustimmung signalisiert zu den Unterstützungsplänen für die Festspiele, die Vorstand und Ausschuss des 475 Köpfe starken Fördervereins erarbeitet haben. Und die Mitglieder stimmten einem Generationenwechsel zu: Alexandra von Berlichingen wurde zum Ehrenmitglied ernannt, ihr Sohn Götz von Berlichingen an ihrer Stelle in den geschäftsführenden Ausschuss gewählt.

Weil das Privattheater an der Jagst in seinem 71. Jahr zum ersten Mal eine Spielzeit hatte absagen müssen, ist die Geschäftsführung „in großer Sorge um die Burgfestspiele“. Denn das Verbot von Veranstaltungen mit großem Publikum und die Sicherheitsregeln, die die Veranstalter garantieren müssen, machen auch die Planungen für eine Spielzeit 2021 zum Wagnis.

Bleibt das Land über den Jahreswechsel hinaus bei seinen Vorgaben, dann bedeutet der Sicherheitsradius von 1,5 Metern um jeden Besucher herum, dass statt 890 Zuschauern lediglich 90 bei jeder Vorstellung im Burghof zugelassen sind. Zu wenig, um einen wirtschaftliche Theatersaison mit komplettem Ensemble und vier Produktionen zu garantieren.

Unterschiedliche Szenarien

Also arbeitet die Festspiel-Geschäftsführung an unterschiedlichen Szenarien. Denn für Intendantin Eva Hosemann ist klar: „Stattfinden wird 2021 auf jeden Fall etwas.“ Roland Halter drückt es so aus: „Wir werden kämpfen.“ Kämpfen, dass etwa das Land Theater unter freiem Himmel anders bewertet als in geschlossenen Räumen, dass das Kultusministerium Schulen und Kindergärten wieder „außerschulische Veranstaltungen“ erlaubt.

Kämpfen will auch der Förderverein mit der einstimmig wiedergewählten Vereinsspitze mit Würth-Manager Norbert Heckmann und der Schwarz-Managerin Silke Lohmiller. Ihre verstärkte Sponsorensuche wollen die Freunde fortsetzen und müssen dabei auch ankämpfen gegen die corona-bedingte finanzielle Zurückhaltung.

Neue Mitglieder zu werben ist eine weitere Aufgabe, denn seit Jahren versucht der Förderverein, den Sprung über die 500er-Grenze zu schaffen. Dazu werden sie bei Veranstaltungen die Werbetrommel für die Festspiele rühren. Die von Ausschussmitglied Antje David ins Leben gerufenen „Young Friends“ wollen jüngere Mitstreiter gewinnen. Zusammen mit der Bildungsakademie AIM Heilbronn sollen die Schultheatertage neu aufgelegt werden.

Neue Image-Kampagne

Schon in diesem Jahr erhöhten die Freunde ihren Förderscheck von 70 000 Euro um eine Sonderspende von 5000 Euro. Für 2021 wurde die jährliche Förderung gleich auf 75 000 Euro festgelegt. Zum Auftakt des Ticketverkaufs für 2021 werden die Freunde zudem eine Image-Kampagne starten. Unter den 475 Mitgliedern sind solche aus ganz Deutschland, nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Firmen aus der gesamten Region.

31 Prozent der Mitglieder im Förderverein kommen direkt aus Jagsthausen, 46 Prozent aus einem Umkreis bis zu 50 Kilometer um das Theaterdorf, ein Viertel der Mitglieder wohnt sogar deutlich weiter weg.

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