Kultur

Literatur Walter Landin ist mit seinem Mannheimer Kommissar den „Späten Schatten“ aus den Nazi-Jahren auf der Spur und beantwortet sogar eine Frage

Warum erzählen Sie uns das jetzt, Herr Landin?

Ein Termin im Leihamt der Stadt Mannheim, wo im ersten Stock nach der Durchquerung eines ziemlich prächtigen barocken Treppenhauses auch der Saal zu finden ist, in dem Versteigerungen vorgenommen werden. Wir erfahren staunend, dass wir uns im letzten kommunalen Leihamt Deutschlands aufhalten. Ersteigern wollen wir zwar nichts, aber am rechten Ort sind wir gleichwohl: In diesem Leihamt spielt ein Teil der Handlung in dem Mannheim-Krimi „Späte Schatten“. Autor Walter Landin hat zur Vorstellung des Buchs gebeten.

Dass im Hintergrund „Sweet Dreams Are Made Of This“ von den Eurhythmics aus den Boxen tröpfelt, soll etwas bedeuten: Auch der Krimi spielt im Jahre 1984 – als der Song die Hitparaden enterte. Landins Ermittler Lauer hört die Nummer auf dem Walkman. Das war damals ziemlich schick, doch schick waren die 1980er nicht immer. Als das erste Handy auf den Markt kam, hatte es die Form und Größe eines mittleren Brikettstücks. Überall standen knallgelbe Telefonzellen herum. In Mannheim stand das Planetarium kurz vor seiner Fertigstellung, die Gewerkschaften wollten die 35-Stunden-Woche durchsetzen, die Arbeitgeber sperrten deren Mitglieder bisweilen aus.

Aber es geht gar nicht in erster Linie um die 80er: In diesem sechsten Buch aus Walter Landins Krimireihe wird ein Mord verhandelt, dessen Vorgeschichte in die Nazi-Jahre weist, mit ihren Schlägertrupps und Zwangsarbeitern. Lauers sechster Fall ist gleichzeitig sein allererster, jedenfalls in chronologischer Beziehung.

Stets mit der NS-Zeit befasst

Warum wird er uns gerade jetzt erzählt, Herr Landin?, fragen wir den Autor. Walter Landin sagt uns, als Geschichtslehrer (der übrigens als Schüler wenig über diese Zeit erfahren habe) sei er mit den Nazi-Jahren stets befasst gewesen. Aber jetzt sei es besonders sinnvoll, an das Thema zu erinnern.

Denn die Hitler Grüßenden in Chemnitz haben ihn erschreckt, Landin befürchtet, dass in Bundeswehr und Polizei schon „rechte Netzwerke“ aktiv sein könnten. Und „ein bisschen Angst“ empfindet er dabei durchaus.

In seinem Lauer-Krimi geht er mit gewohnter Liebe zum Detail vor. Für die Darstellung der Nazi-Jahre hat er Zeugenprotokolle aus Prozessakten verwendet – und die 1980er hat er ja selbst erlebt. Auch wenn ihn erst Recherchen lehrten, dass das Leihamt der Stadt Mannheim 1984 noch nicht in D4 lag, sondern in C7. Walter Landin ist da absolut korrekt. Die manchmal etwas heikle Modegattung Regionalkrimi, die fast als zeitgemäße Form der Heimatdichtung zu bezeichnen ist, behandelt er mit allem Anstand. Und die Dame vom Verlag hofft auf entsprechend hohen Absatz. Bislang ist ihr Hit im Sortiment das Kochbuch „Pfälzer Tapas“.