Kultur

Trauer um Mannheims "Gintherle"

Die Nachricht vom Tod des beliebten Mannheimer Schauspielers und Regisseurs Werner Heine hat große Betroffenheit unter Kollegen und Mitstreitern des 71-Jährigen in der Region ausgelöst. Am Freitagabend hatte zunächst das Team des Mannheimer Schatzkistl seiner Trauer Ausdruck verliehen, wo Heine seit September 2017 in seinem letzten Stück „Tandem für drei“ an der Seite von Regina und Hugo Steegmüller zu sehen war. Impresario Peter Baltruschat bestätigte dieser Redaktion am Samstag auf Nachfrage, dass der Vollblut-Theatermacher am 29. Juli nach Komplikationen einer kurzen schweren Krankheit erlegen sei.

Werner Heine wurde am 12. Juli 1949 in Mannheim geboren. seine Begeisterung für die Bühne entwickelte sich schon während seiner Schul- und der Studienzeit als Sonderschullehrer. So wurde er aktives Mitglied der Freilichtbühne Mannheim. Einige Jahre spielte er am Theater im Hemshof (heute Prinzregententheater) in Ludwigshafen, wie sich Hugo Steegmüller auf Nachfrage erinnert: „Unvergessen ist sein ,Kontrabass’, den Werner Heine dort als Einpersonenstück mit Bravour gab. Wir verlieren einen humorvollen Menschen, der den Kampf gegen seine heimtückische Krankheit leider nicht gewinnen konnte.“

Paraderolle als „Gintherle“

Hans Dieter Willisch an das 1990 gegündete Oststadt-Theater Mannheim (OTM). Seine erste Premiere war Silvester 1991 in George Bernhard Shaws „Helden“ an der Seite der legendären Volksschauspielerin Elsbeth Janda. In zahlreichen Produktionen verkörperte Heine am OTM den schlitzohrigen und komischen Typen, vom Publikum geliebt und von den Mitspielern wegen seiner Zuverlässigkeit hoch geschätzt. Zu seiner Paraderolle wurde der Günther Gärtner, im Volksmund „de Gintherle“, in „Doppelt leben hält besser“, einer Mannheimer Mundartkomödie nach Ray Cooney. Sie lief ab 1993 mehr als 25 Jahre erfolgreich, unter anderem mit der heutigen OTM-Leiterin Carmen P. Linka-Gamil und den Steegmüllers. Die Adaption „Doppelt lieben hält besser“ ist noch heute zu sehen.

„Ich bin immer noch ganz geschockt und traurig“, sagte die OTM-Chefin im Gespräch mit dieser Redaktion. Sie habe erst am Samstag vom Tod ihres langjährigen Kollegen erfahren und die Nachricht ihren Kollegen am Theater überbracht: „Alle sind sprachlos. Werner hatte eine immense Bedeutung vor allem für das Mannheimer Mundarttheater.“ Das Spielen sei ihm zuletzt schwergefallen, „aber ohne Corona hätte ich noch eine Rolle für ihn geplant“. So wurde die Schatzkistl-Eigenproduktion „Tandem für drei“ zu Heines letztem Stück. Sänger, Kabarettist und Schauspieler Rino Galiano, der mit Heine ebenfalls viele Jahre die Bühne geteilt hat, meinte auf Anfrage: „Er war eine prägende Theaterfigur, nicht nur am Oststadt-Theater.“

Pionier des Jugendtheaters

Das erkennt man auch an seiner Nachwirkung, nämlich der Theaterbegeisterung, die er bei jungen Leuten geweckt hat. Vor allem, als Werner Heine Ende der 1970er Jahre ein Jugendtheater im damaligen Forum der Jugend etabliert hat und Stücke des Berliner GRIPS-Theaters inszenierte. Unter anderem gelang es dem musikbegeisterten Pädagogen und Regisseur , Mitglieder der späteren Bands DDT Huber und Popforscher für die Theaterarbeit zu faszinieren - darunter Sänger Peter Baltruschat, der den legendären Gitarristen Paco de Lucia 2012 auf die Mannheimer Seebühne geholt hat - Jahrzehnte nach einer ganzen Nacht, wo wir bei Werner eine seiner Platten in Endlosschleife gehört haben. Oder Bassist Michael Herzer, der durch zahlreichen Bands und seine Arbeit am Nationaltheater bekannt ist. Und Autor Steffen Herbold („Die Legende von Bomber & Rose“, „Das Mädchen, das Uwe Seeler sein musste“).

„Schnell hatte er uns davon überzeugt, dass wir dort die musikalische Begleitung übernehmen mussten“, erinnert sich Herbold, „denn er war so engagiert und sein Enthusiasmus so ansteckend, dass es keine „Wahl gab. Die Stücke hießen “Bravo Girl” oder “Die schönste Zeit im Leben”. „Es war eine tolle Zeit. nach der Premiere von ,Bravo Girl’ sagte Werner zu mir: ,So, und unser nächstes Stück schreibst dann du, okay?’- und das war keine bitte, sondern eher eine Anweisung, der ich dann auch nachgekommen bin“, so der Autor. „Denn Werners Augen leuchteten und sein Lachen und sein Optimismus waren einnehmend. So war er schließlich derjenige, der mich dazu gebracht hat, mit 19 etwas zu schreiben, das 50 Seiten umfasste, mein erstes Theaterstück ,Die Kinder sind fast immer am Ziel’.“ Solche Menschen brauche man im Leben, bilanziert Herbold unisono mit Baltruschat - Menschen, die andere Menschen vorwärtsbringen. Werner war so jemand. Heute bin ich traurig zu hören, dass er gestorben ist.“

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