Kultur

Pop Der frühere Supertramp-Sänger Roger Hodgson beeindruckt im ausverkauften Rosengarten nicht nur mit Welthits

Stimmstarkes, nahbares Original

Archivartikel

Roger Hodgson ist quasi Dauergast in der Region. Das tut seiner Wirkung aber keinen Abbruch: Denn auch ohne großen Werbeaufwand füllt der 68-Jährige den Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens fast bis auf den letzten Platz. Und mehr als 2200 Fans feiern ihn mit einer Ausdauer und fast explosiven Wucht, die der Sänger, Gitarrist und Keyboarder gestern auf seiner Facebook-Seite eigens herausstellte. So reiht sich sein Konzert fast automatisch in die Legendenrallye dieses Konzertjahres ein – auf Augenhöhe mit Joan Baez, Van Morrison oder Tom Jones.

Kein Wunder, denn der auch auf der Bühne sichtlich in sich ruhende Brite im weißen Anzug ist 1969 nicht nur Gründungsmitglied von Supertramp gewesen und hat bis zu seinem Ausstieg 1983 als deren Haupthitschreiber agiert. Vor allem aber war er d i e Stimme dieser immens erfolgreichen Band, die lange virtuos zwischen anspruchsvollem Progressive- und Mainstream-Rock pendelte. Dabei verkaufte sie heute fast undenkbare 60 Millionen Tonträger.

Dass seine alten Mitstreiter bis zur Krebserkrankung von Hodgsons gesanglichem Widerpart, Keyboarder Rick Davies, 2010 gut 4000 Zuschauer in die SAP Arena lockten – geschenkt. Denn auch wenn der einstige Frontmann mit viel kleinerem Besteck kleinere Bühnen bespielt, bekommt der Hörer bei ihm vollwertige Supertramp-DNA serviert. Denn Hodgson kann mehr als nur das gute Dutzend Welthits seiner Ex-Formation abspulen, von denen er gleich zu Beginn einen Dreierpack aus „Take The Long Way Home“, „School“ und „Breakfast In America“ präsentiert.

Ein Alleinstellungsmerkmal sind die Entstehungsgeschichten hinter den Songs mit oft sehr persönlichen Texten, die nur der große Sinnsucher Hodgson authentisch und anekdotenreich erzählen kann. Was Lieder wie „Hide In Your Shell“ oder „Lord Is It Mine“, die im Hitkatalog nicht ganz weit oben stehen, zu echten Erlebnissen macht. Überhaupt ist es verblüffend, wie nahbar und familiär der Weltstar seinen Auftritt gestaltet. Aufgrund einer Fan-Zuschrift holt er die Ballade „Lovers In The Wind“ (1984) von seinem ersten Soloalbum aus dem Archiv, würdigt er mit warmen Worten die belgische Zuschauerin Carole DeDeken für ihr 100. Roger-Hodgson-Konzert und setzt bei der ersten Zugabe „Give A Little Bit“ die kleine Alina aus dem Publikum an sein Keyboard.

Unglaublich gut bei den Höhen

Noch eindrucksvoller ist seine Stimme: Bis auf einen Wackler gegen Ende glänzt Hodgson zwei Stunden lang selbst in den höchsten Höhen von Klassikern wie „Dreamer“ mit eigentlich unglaublicher Perfektion. Dieser unverwechselbare Falsettgesang macht den Abend zur echten Supertramp-Show, garniert mit vier Solonummern – darunter der Abräumer „Had A Dream“. Dazu kommt, dass der glänzende Multiinstrumentalist und Background-Sänger Michael Ghegan vor allem an Blasinstrumenten wie der charakteristischen Mundharmonika oder den diversen Saxophonen die Supertramp-Ikone John Helliwell glatt vergessen lässt.

Dank ihm, Hodgson und Ray Coburn an bis zu drei Keyboards kommen bei „Death And A Zoo“ und vor allem dem komplexen „Fool’s Ouverture“ die Progrock-Fans auf ihre Kosten. Drummer Bryan Head und der auch als dritte Stimme beeindruckende Bassist David Carpenter zeigen unaufgeregt, dass rhythmisch weniger oft mehr ist. Dass es die Fans dabei immer wieder von den Sitzen reißt, ist geradezu unvermeidlich.