Kultur

Kunstverein Tauberbischofsheim Acht Kabarettveranstaltungen im nächsten Jahr / Auch Max Uthoff hat sein Kommen zugesagt

Sprache als Waffe des Pazifisten

Auch 2018 belebt der Kunstverein Tauberbischofsheim die Kulturszene der Region mit acht Kabarettveranstaltungen. Da Lesungen kurzfristiger geplant werden, kann laut Kunstverein „die eine oder andere noch dazukommen“.

Los geht es „mit „Die Feisten“ und ihrem Programm „Nussschüsselblues“ am Montag, 29. Januar 2018, um 20 Uhr. Als „Die Feisten“ noch „Ganz Schön Feist“ hießen und ein Trio waren, von Anfang der 1990er Jahre bis 2012, schufen sie ihr eigenes Genre: Pop-A-Capella-Comedy. „Gänseblümchen“, „Es ist gut, wenn du weißt, was du willst“ oder „Du willst immer nur f...en“ sind Songs, die sie populär machten.

Nach dem Ende von „Ganz Schön Feist“ kehrte erst mal Stille ein. Doch nicht lange. Mathias Zeh und Rainer Schacht fehlte die Musik, die Bühne und das Lachen. So kehrten sie schon 2013 als „Die Feisten“ mit ihrer Zwei-Mann-Musik-Comedy zurück. Der feine Humor vom rauchig feurigen C verschmilzt auf Rainers Bassstimmenrhythmuskickboxkleingitarrenteppich wie Käse auf der Pizza. „Nussschüsselblues“, „Die schönste Braut der Welt“, „Tofuwurst“... schon allein die Titel machen Appetit auf das neue Live-Programm. „Die Feisten“ sind Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2017.

Ein Trauma geht in Erfüllung

Weiter geht es am Montag, 26. Februar, um 20 Uhr mit „Herr Schröder“ und „World of Lehrkraft – Ein Trauma geht in Erfüllung“. „Es ist auch für mich die sechste Stunde!“ –Lehrer. Haben die einen nicht schon genug gequält mit ihren Neurosen und Eigenheiten? Muss das nun auch auf der Bühne sein? Johannes Schröder (alias ‚Herr Schröder’), vom Staat geprüfter Deutschlehrer und Beamter mit Frustrationshintergrund, hat die Seite gewechselt und packt aus: über sein Leben am Korrekturrand der Gesellschaft, über intellektuell barrierefreien Unterricht, die Schulhof-Lebenserwartung heutiger Pubertiere und die Notenvergabe nach objektivem Sympathieprinzip. So therapiert er liebevoll-zynisch ihr ganz persönliches Schultrauma, und nach kurzer Zeit hat man das Gefühl, man sitzt wieder mittendrin im Klassenzimmer. Selbstverständlich mit der Gewissheit, dass das einen alles nichts mehr angeht – oder etwa doch?

Hennes Bender kommt am Sonntag, 15. April, um 19 Uhr mit „Luft nach oben“ in den Engelsaal. Auf seiner neuen Tour präsentiert sich der quirlige Komiker aus dem Ruhrgebiet wieder, wie er lebt und leibt. Dabei hat Hennes Bender, der „Hobbit auf Speed“, auch in seinem verflixten siebten Programm wie stets viel Luft nach oben, misst er doch gerade einen Meter zweiundsechzig. Der Titel bedeutet aber auch, dass immer noch was geht, noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Bender nimmt sich die Narrenfreiheit und geht da dran, beißt sich fest und kaut drauf rum – wie immer ganz nah am Publikum, mit beiden Beinen auf der Bühne und dem Kopf in den Wolken.

„Austopf“ mit Einlage

Jochen Malmsheimer gastiert am Montag, 4. Juni, um 20 Uhr mit seinem Programm „Dogensuppe Herzogin – Ein Austopf mit Einlage“ in Tauberbischofsheim. Kabarett ist dieser Tage wichtiger denn je. Er sagt: „Die zerebrale Fäulnis in diesem Land war, subjektiv gefühlt, immer schon hoch. Aber nun lässt sich dieses trübe Faktum nicht mehr nur im Experiment nachweisen, sondern ist für uns alle, die wir über ein entwickeltes humanoides Sensorium, über Geist, Witz, Verstand und Geschmack verfügen, fühlbar im Freiland angekommen. Und dort im Freiland zelte ich, Jochen Malmsheimer, bereit, mich diesem geradezu enzephalen Unsinn, gegürtet mit dem Schwert der Poesie, gewandet in die lange Unterhose tröstenden Mutterwitzes und weiterhin unter Verzicht auf jegliche Pantomime, in den Weg zu stellen. Denn wie schon Erasmus von Rotterdam wusste: Wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch.

Max Uthoff schildert mit seiner „Vorpremiere“ am Donnerstag, 6. September, um 20 Uhr seine Sicht der Dinge. Der Träger des Breiten Kreuzes und des Ordens „Pour la vérité“ berichtet von der Wucht der Behauptung, mörderischen Geschäften, gesellschaftlichem Inzest, Drehzahlmessern, teuflischen Kreisläufen. Und davon, dass Menschen, die in Schubladen denken, sich schon mal halb aufgeräumt fühlen. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass an diesem Abend Teilnehmer der deutschen Politik Erwähnung finden. Wie immer gilt dabei: die Sprache ist die Waffe des Pazifisten. Ein wilder satirischer Ritt durchs Leben und die deutsche Parteilandschaft, die dem Zuhörer erste Hilfe dabei leistet, die falsche Partei zu wählen.

Andy Ost kommt mit „Im Eufer der Phorie“ am Sonntag, 9. September, um 19 Uhr in den Engelsaal. Der hessische Musikkabarettist und Comedian Andy Ost, Preisträger des Fränkischen Kabarettpreises präsentiert sein neues Programm, das viele aktuelle und neue Nummern mit dem Besten aus seinen beiden letzten Erfolgsshows vereint. Die Quintessenz aus Musikkabarett, Stand-up-Comedy und Parodie zu einem neuen Genre vereint, das ist Kreativ-Comedy aus der Feder von Andy Ost. Geschichten aus dem Leben werden zu lebenden Geschichten, in denen seine Liebe zu Emotionen und Gefühlen aus seinem Publikum Beteiligte macht. Mit geschliffenen Wortspielen seziert Andy Ost die heile Welt und baut sie nur einen Atemzug später wieder neu auf. Charmant, fesselnd und wandelbar wie kaum ein Zweiter, das ist Andy Ost, das ist: „Im Eufer der Phorie“.

Mathias Tretter gastiert am Montag, 22. Oktober, um 20 Uhr mit „Pop“ in Tauberbischofsheim. Tretter teilt hochintelligent und scharfzüngig in alle politischen und gesellschaftskritischen Richtungen aus. Was mit Castingshows begann, erreiche in Donald Trump nun endlich seinen sturmfrisierten Höhepunkt: das Zeitalter des Amateurs. Blogger sind die neuen Journalisten, Sänger kriegen den Literaturnobelpreis, Kinder erziehen ihre Eltern, das Oval Office ist der neue Hobbykeller. Und außenrum und untendrunter die Welt, die schlingert, dass es selbst den Profis schlecht wird. Mathias Tretter ist Träger des Deutschen Kabarettpreises 2017.

Demografisch und präventiv

„Zärtlichkeiten mit Freunden“ gastieren mit „Best of + Weihnachten“ am Sonntag, 9. Dezember, um 17 Uhr im Engelsaal. Die bekannte Band hat nach Jahren ihren Probenraum ausgemistet. Dabei kamen Dinge zum Vorschein, die längst nicht mehr gespielt werden. Lieder und Nummern, die man noch verwenden kann und welche, die überhaupt nicht mehr gehen. Daraus haben Cordula Zwischenfisch und Ines Fleiwa ein abendfüllendes Programm gefertigt. Was bekommt man, abgesehen von bizarren Frauennamen, geboten? Nähkästchen, Tipps und Kniffs der Sprecherziehung, Lieder über den demografischen Wandel, präventive Jugendarbeit, Steppschuhe, Grundlagen der Kampfkunst und große Hits aus der Tschechoslowakei.

„Zärtlichkeiten mit Freunden“ haben 19 Kleinkunst- und Comedypreise gewonnen. Zum Beispiel den Prix Pantheon oder das Passauer Scharfrichterbeil.

Karten zu allen Veranstaltungen können bei Metzgerei Partyservice Engelhard, Bahnhofstr. 9, Telefon 09341/2218, und im Friseursalon Baumann, Frankenpassage, Telefon 09341/2551 (beide Geschäfte sind montags geschlossen) oder per Email vorbestellt werden.

Die Kosten für die Karten müssen erst drei Wochen vor der Veranstaltung überwiesen oder beglichen werden, ansonsten werden sie weitervergeben. Karten in gedruckter Form liegen drei Wochen vor der Veranstaltung vor.

Info: Nähere Informationen findet man auf der Internetseite des Tauberbischofsheimer Kunstvereins: www.kv-tbb.de.