Kultur

Theater „Koi Auskomma mit dem Einkomma“ in der Stuttgarter Komödie erstaufgeführt

Spielenswerte Unterhaltungsware mit großer Aktualität

Archivartikel

1956 wurde das Stück des damals 46-jährigen, gebürtigen Flensburger Fritz Wempner im niederdeutschen Theater Bremen auf Platt unter dem

Titel „Keen Utkamen mit’t Inkamen“ uraufgeführt. Ein Jahr später

entstand ein Kinofilm, in dem Günther Lüders, Erna Sellmer, Heinz Drache und Renate Holm mitwirkten.

Jetzt fand die Erstaufführung in einer Bearbeitung von Axel Preuß, unter dem Titel „Koi Auskomma mit dem Einkomma“ in der Stuttgarter Komödie im Marquardt statt. Die da

gezeigte schwäbische Fassung des Stoffs stammte von Monika Hirschle.

Volkstümliche Komödie

Der Ansatzpunkt dieser volkstümlichen Komödie ist noch immer aktuell und so ist das Ganze auch heute noch spielenswerte Unterhaltungsware. Geht es doch um die Wohnungsnot und dazu um die zu geringe Rente, mit der manches ältere Ehepaar auskommen muss.

Und weil bekanntlich Not erfinderisch macht, gilt das in diesem Fall in zweifacher Hinsicht. Zum einen haben der Rentner Eberhard Kleinhans und seine Frau Sabine „kein Auskommen mit dem Einkommen“. Zum anderen machen sie sich die auch in Stuttgart herrschende Wohnungsnot zunutze, indem sie sich entschließen, ein Zimmer unterzuvermieten.

Dabei denkt er an eine junge Frau und sie an einen feschen jungen Mann. Beide bekommen, was sie wollen und das ist denn der Grund für die Verwicklungen und die Nebenhandlungen, von denen das Stück lebt.

Er vermietet an Lisa, sie vermietet an Tom, ohne dass der eine vom Tun

des anderen etwas weiß und umgekehrt. Wohl geht das eine Zeit lang gut, denn Tom ist Fernfahrer und schläft tagsüber in dem Zimmer und Lisa nutzt es nur nachts. Doch dann beginnen die Turbulenzen.

Zu ihnen trägt zum einen der ein Stock darüber wohnende Fritz Böckle bei, der vor seiner Frau immer wieder einmal in die Wohnung der Familie Kleinhans flüchtet. Zum anderen ist der Obst- und Gemüsegroßhändler Dieter Jäger seinem Sohn Tom auf der Spur und Frau Hauser, die eifersüchtige Gattin von Lisas Chef, taucht auch noch auf.

Schließlich trifft noch Hanna Franz, Lisas Mutter, auf Toms Vater, einen Witwer. Dass aus Tom und Lisa zum Schluss ebenso ein Paar wird, wie aus Dieter Jäger und Hanna Franz und, dass dann auch noch der Fernfahrer Tom Nachfolger im Geschäft des Vaters wird, versteht sich eigentlich von selbst, denn eine solche Komödie muss ja happy enden.

Bürgerliches Ambiente

Das Ganze spielt in einem sogenannten bürgerlichen Wohnzimmer, mit Balkon und vor einer gegenüberliegenden Häuserfront im Hintergrund, das Tom Grasshof stilgerecht ausgestattet hat, der auch für die zu den Charakteren der handelnden Personen passenden Kleider verantwortlich zeichnet. Erstmals führt Axel Preuß, der Intendant der Schauspielbühnen in Stuttgart, bei dieser Gelegenheit in der Komödie im Marquardt Regie.

Dabei muss man dem 58-jährigen, gebürtigen Hamburger attestieren, dass er sich gut in die schwäbische Mentalität eingefühlt und die Darsteller zu einer glaubhaften Skizzierung ihrer Rollen angehalten hat. Das Vermieter-Ehepaar Kleinhans ist bei Reinhold Weiser und Monika Hirschle in besten Händen. Sie verkörpern in jeder Beziehung, überzeugen das mit allen Wassern gewaschene, im Grund schlitzohrige Kleinbürgerpaar. Ebenso spielt Volker Jeck als Pantoffelheld Fritz Böckle echtes (schwäbisches) Volkstheater.

Jörg Pauly als Tom und Antonia Leichtle sind die jungen Untermieter, die sich in der Wohnung finden mussten, weil sie von Anfang an füreinander bestimmt waren. Einen sturen, halsstarrigen Dieter Jäger, der sich dann aber doch noch von den Qualitäten seines Sohnes überzeugen lässt, gibt Armin Jung. Unter diesen Umständen wird wohl Diana Gantner als Lisas Mutter mit ihm glücklich werden.

Unzufrieden, unglücklich und eifersüchtig bleibt dagegen, wie zuvor schon Rose Kneissler als die Frau von Lisas Chef, die als herrische Frau von Fritz Böckle aus dem Off zu hören ist. Dieter Schnabel

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