Kultur

Festival des deutschen Films Kurator Rolf-Rüdiger Hamacher zeigt Themen wie Streit und Scheidung / „Timm Thaler“ dreht sich um Reichtum und Armut

„Situationen, die Kinder im täglichen Leben treffen“

Archivartikel

Schulkinder drängeln sich durch die Tür des großen Festivalkinos. Im Inneren des Zeltes wuseln sie durcheinander, auf der Suche nach den besten Plätzen. Die Lehrer versuchen, ihre Schüler zusammen zu halten.

Erst als Kinderfilm-Kurator Rolf-Rüdiger Hamacher auf die Bühne tritt und den Film ankündigt, werden die durchdringend hohen Stimmen leiser. Rund 250 Kinder, die meisten von ihnen zehn oder elf Jahre alt, füllen nahezu alle Reihen. „Heute läuft eine Geschichte, über die ich mich immer gefreut habe, wenn die Serie dazu im Fernsehen lief, als ich so alt war wie ihr“, berichtet der 72-jährige Kurator: „Timm Thaler“.

Hamacher wählt seit mehr als zehn Jahren aus, welche Kinderfilme bei dem Festival laufen. „Das wichtigste Kriterium ist, ob sich der Film für die Altersklasse eignet“, sagt der studierte Medienpädagoge.

Außerdem frage Hamacher sich: Übermittelt der Film eine Botschaft, einen Anstoß zum Denken? „Halbseidene Sachen zeige ich nicht“, sagt er bestimmt. Zudem solle die Geschichte gut unterhalten, die Zuschauer müssen sich mit den Hauptdarstellern identifizieren können.

Als das Licht im Zelt auf der Parkinsel ausgeht und nur noch der Filmprojektor den Saal erhellt, jubeln einige Kinder aufgeregt.

Gespannt verfolgen sie, wie Timm sein Lachen an einen zwielichtigen Baron verkauft und dann versucht, es wiederzubekommen. Als der 13-jährige Waise Timm mit vollem Mund spricht, kichern die Kinder. Im Gegensatz zu Timm haben sie ihr Lachen nicht verloren.

„Ich versuche, auch einen Genderausgleich zu finden, also dass Mädchen mal die Helden sind. Das hat leider dieses Jahr nicht ganz geklappt“, sagt Hamacher. Nur bei dem Film „Die Kleine Hexe“ und „Fünf Freunde“ spielen Mädchen eine Hauptrolle. „Ich greife Themen auf wie Streit der Eltern und Scheidung, wie bei „Matti und Samy“ oder Armut und Reichtum wie bei Timm Thaler. Situationen, die Kinder im täglichen Leben antreffen.“

Selten wähle er Animationsfilme aus, berichtet er. „Aber ‚Luis und die Aliens‘ ist einer der besten deutschen Animationsfilme.“ Hamacher sah selbst als kleiner Junge gerne Filme. „Meine Oma hat mich immer ins Kino mitgenommen“, sagt Hamacher, der in Bensheim aufwuchs. Sonntags schwänzte er gar die Kirche, um stattdessen heimlich ins Kino zu gehen.

Beim Abspann klatschen die Kinder in Ludwigshafen laut und jubeln. „Ich fand es sehr spannend“, sagt die zehnjährige Zoe. „Man wusste nicht, was passiert.“ Fünftklässlerin Emanuela ist derselben Meinung: „Timm Thaler wollte sein Lachen zurück. Und man weiß die ganze Zeit nicht, ob er es wieder bekommt. Mir hat der Film gut gefallen.“ Der zehnjährige Gabriel fand den Film nicht nur spannend: „Ich fand ihn gut, weil er lustig war“, sagt er.