Kultur

Hohenloher Kultursommer Preisträger des 18. Internationalen Wettbewerbs für Violine begeistern im Carmen Würth Forum in Künzelsau

Schwindelerregendes Niveau fasziniert Zuhörer

Archivartikel

Die Preisträger-Gala des internationalen Wettbewerbs für Violine, seit 30 Jahren wesentlicher Teil des Hohenloher Kulturlebens, ist alle zwei Jahre ein Höhepunkten des Hohenloher Kultursommers. Junge Talente aus der ganzen Welt stellen sich in drei Runden einer internationalen Jury unter Leitung des Initiators Petru Munteanu. Ausgetragen wird der Wettbewerb an zehn Tagen im idyllischen Ambiente von Kloster Schöntal.

Die Ergebnisse werden im Carmen Würth Forum präsentiert: Talente von heute als Stars von morgen auf derselben Bühne, die sonst Geigen-Virtuosen wie Anne-Sophie Mutter, Vadim Repin und Patricia Kopatchinskaja vorbehalten ist.

Den neun Juroren (Petru Munteneau, Albena Danailova, Florian Leonhard, Svetlana Makarova, Florian Parvulescu, Elly Suh, Takashi Shimizu, Weidong Tong und Qian Zhou) haben sich in diesem Jahr 49 Nachwuchsmusiker im Alter von elf bis 21 Jahren aus über 20 Ländern gestellt.

Insgesamt werden 35 Preise vergeben. Zu den 15 regulären Preisen (je fünf pro Altersgruppe) kommen noch 20 Sonderpreise in speziellen Kategorien wie „Barock“, „Bach“, „Sonate“ „Virtuos“, aber auch Violinen-Etuis zum sicheren Transport der teuren Instrumente. Begehrt ist der EMCY-Preis (European Union of Music Competitions for Youth), da er über zwei Jahre den Start einer professionellen Karriere unterstützt. Er ging an den 18-jährigen Maxim Tzekov aus Österreich, der noch drei weitere Auszeichnungen, darunter den ersten Preis seiner Altersgruppe, erhielt.

Höchste Punktzahl

Abräumer ist der 14-jährige Daniil Bulayev aus Lettland. Mit der höchsten Punktzahl erhält er den Förderpreis von Reinhold Würth. Der Förderpreis ist zweckgebunden und soll der weiteren Ausbildung dienen. Insgesamt wurde Bulayev mit fünf Preisen gewürdigt, darunter der esrte Preis seiner Altersgruppe, der Sonderpreis „Virtuos“ und eine Violine als Leihgabe der Firma Leonhard (London). Acht (von neun) der 15 Gewinner revanchieren sich mit einer Blütenlese klassischer Geigenliteratur. Darunter eine Auftragsarbeit an den Komponisten Johannes X. Schachtner. Der zeitgenössische Komponist hat anlässlich des 300. Geburtstags von Leopold Mozart (1719 bis 1787) für diesen eine Hommage mit dem Titel „Florilegium“ für Geige solo verfasst. Referenzen an die Jagdsymphonie mit Vogelgezwitscher, Schnarch-Effekten und offenen Stellen, für den Interpreten Robert Einenkel (dritter Preis der dritten Altersgruppe und Schachtner-Preis) zur freien Improvisation kennzeichnen das markante Werk. Die Uraufführung ist zugleich ein toller Kontrast zu Klassik und Romantik à la Mozart, Schubert und Sarasate.

Die neunte Interpretin wäre Lisa Yasuda (zweiter Preis der dritten Altersgruppe und Sonderpreis „Virtuos“) gewesen. Das Publikum kam nicht in den Genuss des „Caprice-Valse op.52“ (Saint-Saëns / Ysaÿe) der 19-jährigen, grazilen Japanerin, weil der Steg ihrer Geige dem virtuosen Spiel offenbar nicht Stand hielt und brach. Schade!

Allen anderen war die Konzentration anzumerken, die – übrigens wie bei Repin und Mutter – die Nervosität vor dem ersten Ton bändigt. Aus dem Fluss der Musik ergießt sich ein Ozean an Gefühlen.

Energie verflüchtigt sich im Klangnebel und fliegt mit dem Schwung des letzten Bogenstrichs ins Nichts. Ein Schöpfungsakt, der in gespannter Stille gipfelt: Es ist vollbracht, am Ende steht den jungen Musikern das Glück des Gelingens ins Gesicht geschrieben.

Das Niveau ist schwindelerregend hoch. Bei geschlossenen Augen würde man nicht vermuten, dass Riisa Nakahara (Japan) erst elf, Dragos Rusanu (Rumänien) erst 13, der fünffache Preisträger Daniil Bulayev erst 14 Jahre alt ist.

Nakaharas „Allegro Moderato“ (Mozarts B-Dur Konzert) und Rusanus „Introduction et Rondo capriccioso op. 28“ (Saint-Saëns) sind absolut reife Leistungen. Bulayevs „Faust-Fantasie op.20“ sowie Tzekovs „Allegro aperto“ (Mozarts A-Dur Konzert) machen sprachlos und werden vom Publikum mit tosendem Applaus gefeiert.

Harald Unkelbach (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Würth und IHK-Präsident) bringt es auf den Punkt: „Ich bin erstaunt über die technischen Fähigkeiten, überwältigt von der Hingabe und ergriffen von der Darbietung und Interpretation“ – besser kann man es nicht formulieren.

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