Kultur

Mainfranken Theater Sechstes Sinfoniekonzert gefiel bestens

Schwierige Stücke wie aus einem Guss

Im sechsten Sinfoniekonzert des Mainfranken Theaters präsentierte das Philharmonische Orchester in der Musikhochschule Werke von Sergej Prokofjew und Peter Tschaikowski, zwei russischen Komponisten, die sich stilistisch elementar voneinander unterscheiden. Beide huldigen der westlich orientierten klassischen Form, gingen jedoch überwiegend eigene Wege.

Beliebtestes Konzert

Prokofjews drittes Klavierkonzert C-Dur op.26 ist unter seinen insgesamt fünf Solokonzerten das meistgespielte und beliebteste, zudem das einzige, das in der traditionellen dreisätzigen Form gearbeitet ist.

Die in Belgrad geborene und in Wien lebende Pianistin Anika Vavic kann bereits auf eine beachtliche internationale Karriere zurückblicken. Unter der gleichermaßen mitfühlenden wie mitführenden Leitung des Würzburger Generalmusikdirektors Enrico Calesso gelang die Wiedergabe dieses technisch aberwitzig schwierigen Konzertes wie aus einem Guss.

Meisterhaft

Die Solistin meisterte den Spagat zwischen virtuoser Löwenpranke, subtiler Melodienseligkeit, zwischen Witz und aparter Klanglichkeit. Sie vertiefte sich in einen echten Prokofjew volkstümlich-russischer Lyrik wie etwa im Klarinettenmotiv der Einleitung, vollführte eine perlende Brillanz im Hauptthema des Allegro und betonte die sarkastischen Grotesken im Seitenthema. Das Finale beschlossen beide Künstler fröhlich, ausgelassen und überschäumend als ein Fest der klaren C-Dur-Tonart.

Die Philharmoniker unterstützten die Kommunikation mit der Pianistin mit dem Witz und der Luftigkeit dieser Musik, mit dem Gespür für den zwischen Lyrik und Satire sich bewegenden Stil des Komponisten. Bei Prokofjew funkelt es auch da, wo gestalterische Hintergründigkeit sich an die Stelle puren Virtuosentums setzt.

Anika Vavic beeindruckte mit einem Anschlag aus transparenter Artikulation und einer ernsthaften nicht oberflächlichen Durchdringung von Figuren ohne manieristische Attitüde. Das Finale betonte die Pianistin mit einem straffen Spannungsbogen.

Zugabestücke

In den Zugabestücken von Skrjabin und Schubert verriet die Künstlerin einmal mehr, zu welchem tiefsinnigen Hineinhören sie fähig ist.

Nach der Pause widmete sich das Orchester der gewaltigen fünften Sinfonie e-Moll op.64 von Peter Tschaikowski, seinem ersten bedeutenden Orchesterwerk. „Ich bin endlich dabei, aus meinem stumpf gewordenen Hirn unter großen Schwierigkeiten eine neue Sinfonie herauszuquetschen“, notierte der Komponist in sein Tagebuch.

Schicksalssinfonie

Der musikalische Gehalt dieses Werkes ist eine Schicksalssinfonie. Murren, Zweifel, Klagen, Vorwürfe und das von ihm als Schicksalsmotiv umschriebene Thema der langsamen Einleitung erscheint in allen vier Sätzen, selbst im leichtfüßig ausmusizierten Walzer.

Calesso ließ mit seinem Orchester, darin die solistisch vorzüglich alternierenden Blech-und Holzbläser im Andante sowie die ausdrucksvoll musizierende und bei virtuosen Stellen flink agierende Streichergruppe in puncto Präzision, rhythmischer Prägnanz und klanglicher Homogenität keinen Wunsch offen. In diesem Tschaikowski brodelten Leidenschaften, trumpfte Pathos auf, wühlte ein Zerrissener in seinen Gefühlen.

Mit Nachdruck legte Generalmusidirektor Calesso einen emotional überquellenden Tschaikowski frei, einen kunstvoll disponierenden Komponisten klassischer Provenienz.