Kultur

Stuttgarter Komödie im Marquardt Zwei-Personen-Stück „Ehe währt für immer“ von Philip LaZebnik und Kingsley Day erstaufgeführt / Tour de Force für Regisseur Udo Schürmer

Reichlich Zucker für den Affen

Archivartikel

Wie funktionierte manche Boulevardkomödie ohne verschiedene Türen am Ort des Geschehens, Telefone und auch mehrere Kleiderwechsel? Die jetzt in der Stuttgarter Komödie im Marquardt als Erstaufführung gezeigte sogenannte „Tour de Farce“ überhaupt nicht!

Denn um dieses Zwei-Personen-Stück von Philip LaZebnik und Kingsley Day, mit dem deutschen Titel „Ehe währt für immer“, aufführen zu können, ist der Bühnen-, in dem Fall auch Kostümbildner Tom Grasshof in dieser Richtung gefordert. Dazu bedarf es dann noch eines das Tempo forcierenden Regisseurs, in Stuttgart ist es Udo Schürmer, und zweier um Umziehen geübter, komödiantischer Schauspieler, in der Komödie im Marquardt sind das Marcus Ganser und Eva Geiler, die Leiterin der Abteilung Kommunikation an den Schauspielbühnen.

Herb Gladney hat einen Bestseller mit dem Titel „Ehe währt für immer“ geschrieben. Jetzt ist er auf Vorlesungsreise, zusammen mit seiner ihn begleitenden Frau Rebecca. Ort der Handlung ist ein Hotelzimmer in einer US-amerikanischen Stadt. Dort trägt sich das ganze turbulente Geschehen zu, das nicht gerade als Vorbild für das Buch und dessen Inhalt sein kann - wenn zum Schluss auch das Happy-End nicht fehlen darf.

Da geht es drunter und drüber. Und immer wieder betritt ein anderer oder eine andere den Raum oder es liegt auch schon einmal jemand unter dem Bett, um nicht entdeckt zu werden.

Da gibt es einen aufmerksamen Hotelboy und ein diebisches Zimmermädchen. Da trifft sich ein Senator nicht nur mit seiner Gespielin, sondern er begegnet auch seiner früheren Geliebten, die gleich wieder Feuer und Flamme für ihn ist.

Doch nicht genug damit, dessen blonde Tochter setzt sich auch noch ins Bild. Und immer wieder droht Gladneys Frau ihrem Mann mit der Scheidung - und das ausgerechnet einem Autor, der behauptet: „Ehe währt für immer“ und der das, was er seitenlang predigt nun auch in der Praxis unter Beweis stellen soll. Ein für ihn schwieriges Unterfangen! Jeweils fünf Rollen haben Marcus Ganser zu spielen - und das nicht etwa nach-, sondern durcheinander. So geht denn einer und der andere kommt unmittelbar danach oder die eine kommt, kaum dass die andere gegangen ist.

Abgesehen davon, dass dieses Wechsel- und Verwechslungsspiel, das Udo Schürmer gekonnt in Szene setzt, schneller Rollen- und Kleiderwechsel bedarf, ist es damit noch nicht getan, auch wenn sich dazu Sonnenbrillen und Perücken bedient.

Vielmehr geht es auch darum, dass man ohne Unterlass sozusagen von der einen in die andere Rolle schlüpft und diese dann auch möglichst glaubhaft, im Rahmen der vorgegebenen Klamottengeschichte, verkörpert.

Das schaffen sowohl Marcus Ganser als auch Eva Geiler, mit Hilfe eines sechsköpfigen sogenannten „Backstage-Team“, das dafür sorgt, dass hinter der Bühne das schnellstens eingefädelt wird, was dann auf der Bühne in der Hotelzimmer-Kulisse zu sehen ist. Wenn im einen oder anderen Fall dem Affen auch reichlich Zucker gegeben und nicht nur einmal chargiert wird, so trägt das Ganze doch ausgiebig zur Erheiterung und Unterhaltung des Publikums bei. Dieter Schnabel