Kultur

Torturmtheater

Psychologische Figurenzeichnung

Unterschiedlicher könnten Zwei kaum sein. Steve, ein aufgeklärter Feminist. Kate, eine selbstbewusste Frau, die auf Machos steht. Auf einer Kostümparty wollen sie ihre jeweiligen Vor-Beziehungen vergessen. Dabei lernen sie sich kennen und lieben. Aber kann das gut gehen? In der turbulenten Komödie „Lieben. Feministisch“ der britischen Autorin Samantha Ellis kreist alles um diese Frage. Nur wenige Monate nach der Deutschen Erstaufführung am Staatstheater Karlsruhe hat das Torturmtheater Sommerhausen das Stück in der flotten Inszenierung des Münchner Regisseurs Ercan Karacayli mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht.

Christian Streit und Amelie Heiler sind nicht nur Steve und Kate, sondern spielen jeweils zwei weitere Rollen. Und damit die Zuschauer nicht überfordert werden, erklären sie das vor Beginn aus dem Off und zunächst auch bei den ersten Rollenwechseln, die durch Veränderungen im Kostüm auch optisch sichtbar werden: Hier ein anderes T-Shirt (Kates Exfreund Ross) oder ein kleiner Hut (Kates Vater), da ein weißes T-Shirt (Steves Ex-Verlobte Carina) oder ein anderer Pullover (Steves Mutter). Auf offener Bühne schlüpfen sie in wenigen Augenblicken in die andere Figur und noch schneller zurück.

Fesselnde Liebesgeschichte

So entwickelt sich in hohem Tempo eine fesselnde Liebesgeschichte, die herrlich mit den Zuschreibungen „männlich“ und „weiblich“ spielt. Schnell wird die Hochzeit geplant, jedes Detail ausführlich besprochen, Brautvater und Bräutigammutter informiert und eingeladen.

Um eine weitere Drehung gesteigert wird das rasante Dialogstück, als sich beim Hochzeitstanz die Elternteile immer näher kommen und schließlich vom Brautpaar beim Knutschen erwischt werden. Und das geht nach Meinung der beiden Brautleute gar nicht. Nach nur wenigen Stunden Ehe ist diese bereits am Ende, denn Steve bricht alle Brücken hinter sich ab. Oder gibt es doch noch einen Hoffnungsschimmer für das junge Glück?

Gebannt und zugleich bestens unterhalten, verfolgt man Christian Streit und Amelie Heiler bei ihrem intensiven Spiel, den blitzschnellen Sprüngen zwischen den Rollen und der psychologisch genauen Figurenzeichnung. So ist es kein Wunder, dass ihre Spielfreude in Windeseile auf das Publikum überspringt. Vorzügliches Schauspielertheater allererster Güte, das den Faktor „Spiel“ ins Zentrum stellt. Zum höchsten Vergnügen des Publikums, das den Premierenabend mit stürmischem Applaus feierte.

„Lieben.Feministisch“ steht bis zum 3. August auf dem Spielplan des Torturmtheaters. mk