Kultur

Parforce-Ritt durch vier Jahrzehnte voller Festivalhits

Drei Vorbands, allen voran die Mecklenburger Punkrocker Feine Sahne Fischfilet und die US-Folk-Band Flogging Molly um Frontmann Dave King aus Dublin haben bei idealen Open-Air-Bedingungen auf dem Mannheimer Maimarktgelände mit viel Energie vorgelegt. Aber die Stimmung der mehr als 30000 Fans erreicht noch mal ein anderes Level, als Campino und Die Toten Hosen die Bühne stürmen. Das rasante  „Auswärtsspiel“ macht das Konzert auf Anhieb zum Heimspiel, mit „Niemals einer Meinung“ folgt ein echter, aus Tausenden von Kehlen mitgesungener Stimmungsmacher, bevor die aktuellen Songs „Laune der Natur“ und  “Die Schöne und das Biest“ sich nahtlos in diesen Parforce-Ritt durch vier Jahrzehnte voller Festivalhits einreihen.  Mit “einen wunderschönen Abend, Mannheim" hatte Campino sein Publikum zum zweiten Open Air der Düsseldorfer auf dem Maimarkt begrüßt, das nach dem „#Wirsindmehr“-Festival in Chemnitz Protest- und Anti-Rechts-Hymnen wie “Liebeslied” oder "Willkommen in Deutschland" noch intensiver  feiern  als üblich.

Das große Toten-Hosen-Open-Air war bei bestem Wetter gestartet. Um 17.30 Uhr eröffneten die belgischen Indie-Rocker Triggerfinger vor bereits knapp 10 000 Zuschauern das kleine Festival.

Nach dem Auftakt von Triggerfinger hatte die zweite Vorgruppe der Toten Hosen, die Rostocker Punkband Feine Sahne Fischfilet, gezeigt, dass sie in der Liga sind, irgendwann auch mal im Alleingang große Open-Air-Areale wie das Mannheimer Maimarktgelände zu rocken. Mit ihren aktuellen Abräumern “Zurück in unserer Stadt” und “Alles auf Rausch” schalteten Frontmann Monchi und Co. die schon fast vollständig erschienenen Hosen-Fans sofort auf Empfang. Der Sänger sparte nicht mit politischen Botschaften und appellierte an die Mitte der Gesellschaft, sich gegen den Rechtsruck zu stemmen. Wenn schon Regierungsmitglieder wie Innenminister Horst Seehofer redeten, wie man es vor zehn, fünfzehn Jahren nur von der NPD gewohnt gewesen sei, wisse man, was die Stunde geschlagen hat. Die Band erntete bis zur gefeierten Schlussnummer “Komplett im Arsch”, die Tote-Hosen-Sänger Campino mit einem Gastspiel noch etwas verlängerte, viel Applaus. Die für eine Vorgruppe ungewöhnliche große Resonanz beglückte Monchi derart, dass er den Zuschauern zurief: “Wir laden Euch alle an die Ostsee ein. Dann müsst Ihr nicht in so schäbbigen Flüssen baden.” Selbst dafür gab’s Beifall. (jpk/alex)

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