Kultur

Mainfranken Theater Würzburg Theresa Walsers Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ im Würzburger Rathaus aufgeführt

Nur mit Sarkasmus zu ertragen

Das Mainfranken Theater Würzburg und die Stadt Würzburg machen es möglich: Im Würzburger Rathaussaal treffen sich zur Vorbereitung eines Films über ihr Leben drei berühmte Frauen von eher berüchtigten Alleinherrschern.

Der repräsentative Saal bietet den angemessenen Rahmen für dieses Vorgespräch, das in eine denkwürdige Pressekonferenz münden soll. Es erscheinen Imelda Marcos (Klara Pfeiffer), Margot Honecker (Stephanie Gossger) und Leila Ben Ali (Anouk Elias), die Witwe des ehemaligen Präsidenten von Tunesien, Zine el-Abidine Ben Ali. Letztere erinnert mit ihrem Gehabe gelegentlich an Suzanne Mubarak oder Asma al-Assad.

Das ungewöhnliche Treffen der Theaterfiguren mit dem „Simultandolmetscher“ Gottfried (Hannes Berg) hat Regisseur Kevin Barz inszeniert. Er gibt den Darstellerinnen im Theaterstück „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresa Walser genügend Raum, ihr komödiantisches Talent zu entfalten.

Ein besonderes Lob verdienen die Maskenbildner und Kostümbildnerin Dejana Radosavljevic, die mit den Protagonisten Imelda als ehemalige Schönheitskönigin, Margot als dogmatische Sozialistin und Leila als Ex-First Lady Tunesiens, die mit ihrem Ben Ali ein Milliarden-Vermögen anhäufte, verblüffend realistisch an die Originale herankommen. Sogar so gut, dass der etwas verunsicherte Blick über die üppigen Ledersessel im Ratssaal schweift, ohne jedoch weitere machthungrige Frauengestalten der Zeitgeschichte wie etwa Eva Péron, Elena Ceausescu, Carmen Franco, Suzanne Mubarak oder Lucía Pinochet zu entdecken.

Mit Porträts dieser heimlichen Herrscherinnen, denen längst kein Volk mehr zuwinkt, könnte Theresa Walser wohl locker viele Theaterabende füllen. Doch ist man schon genügend damit bedient, was das Frauentrio Marcos, Honecker und Ben Ali an mangelnder Empathie und Selbstkritik offenbart; unfassbar und nur mit Ironie und Sarkasmus zu ertragen. Da wird über Partys bei Stalin, Handküsse von Mao, Imeldas Schuhsammlung oder schusssichere BHs schwadroniert.

Am besten gelingt der Autorin die Kunstfigur von Margot Honecker, die vor der Pressekonferenz etwas zu penetrant nach einer Cola jammert. Viel hält sie aufs Protokoll, erkennt aber rasch: „Wo kein Volk ist, muss auch nicht gewunken werden.“ Das Verlangen nach dem dekadenten Westgetränk hindert sie nicht daran, umso unbelehrbarer an ihrer DDR festzuhalten, die sie Gerüchten zufolge als Volksbildungsministerin über ihre „Marionette“ Erich heimlich geführt hat. Traumatisierte Opfer in geschlossenen Jugendwerkhöfen seien „bezahlte Banditen“ gewesen, ist ein wenig einfühlsamer Kommentar dieser verbohrten Kommunistin. Ganz nebenbei verhöhnt Margot die Maueropfer: „Was kann ich dafür, wenn manche so blöd waren, über die Mauer zu klettern?“.

Imelda gibt zum Besten: „Bei uns sind Leute von jetzt auf gleich verschwunden. Und irgendwann hat man sie ohne Kopf gefunden. In der Oper sind das große Momente. Selten beben Stimmen schöner.“ Auch Leila hat Grund zur Klage: „Auf einmal sind wir Dreck. Dreimal die Woche rief der französische Präsident bei uns an; ein bisschen plaudern, ein bisschen Tratsch. Jetzt dürfen wir nicht mal mehr französischen Boden berühren.“

Warum sie eigentlich ins Exil gehen mussten, ist den Damen völlig unbegreiflich. Für einen starken komödiantischen Auftritt sorgt Hannes Berg als Dolmetscher Gottfried, dessen anfänglich zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein („Ein guter Dolmetscher ist immer einen Satz voraus“) in dem unverblümt ausgetragenen Zickenkrieg der Selbstdarstellerinnen rasch zerbröselt. Zunächst überhört er geflissentlich die gegenseitigen Nadelstiche und greift mit seinen Übersetzungen beherzt zu diplomatischen Floskeln, um die groß angekündigte Pressekonferenz nicht zum Fiasko werden zu lassen. Glaubte Gottfried zunächst noch daran, das Heft des Handelns nicht zu verlieren, verliert er später völlig die Fassung und zum Ende sogar noch das Bewusstsein, als er versehentlich eine Urne aus Margots Handtasche mit der Asche von Erich Honecker fallenlässt. Die Damen werfen sich Gemeinheiten an den Kopf, meckern herum und die Übersetzungen entfernen sich immer mehr von dem Gesagten. Unsicher wieder auf die Beine gekommen, outet sich Gottfried unverhofft als traumatisiertes Kind aus der DDR: „Was würden Sie den Leuten sagen, die unter Ihnen gelitten haben?“, wendet er sich an Margot.

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