Kultur

Imaginale Festival zeigt „Stromer“ und „Invisible Lands“

Kleine Gesten verzaubern

Putzig und niedlich ist hier nichts. Auch wenn die Imaginale als Festival animierter Formen in der Alten Feuerwache mit „Stromer“ und „Invisible Lands“ nun auf zwei stillere, kleinere Formate setzt. Die Themen sind ernst. Obdachlosigkeit und Ausgrenzung geht das Saarbrücker Theater Überzwerg auf Grundlage von Sarah V. und Claude K. Dubois’ gleichnamigem Kinderbuch (in der Theaterfassung der compagnie toit végétale) auf die Spur.

Den tristen Alltag von „Stromer“, der bei Wind und Wetter auf der Straße lebt, zeichnen das Trio wortwörtlich nach. Sarah Mehlfeld und Christina Hillinger animieren mit Kohlestift, Aquarelle und Collage Gesichts- und Straßenzüge, die in Projektion Zuschauern ab sechs Jahren Dimensionen eröffnen, zu denen Thomas Jäkel nicht minder faszinierend und trickreich Klangteppich und Sprechstimme beisteuert. Durch Stadtparks, Suppenküchen und Linienbusse geht die alltägliche Reise, in der ein Keks und die Unvoreingenommenheit eines Kindes wahre Wunder vollbringen.

Im Bombenhagel

Starken Tobak bringt auch das finnische Livsmedlet Theater mit ins Feuerwachen-Studio, wo der israelische Puppenspieler, Regisseur und Schauspieler Ismael Falke und die schwedische Tänzerin, Choreographin und Regisseurin Sandrina Lindgren die Geschichte einer Flucht erzählen. Zu unsichtbaren Ländern („Invisible Lands“) und Landschaften werden ihre Körper, auf denen winzige Figuren unter Bombenhagel und Gewehrsalven ihre nicht näher benannten Heimaten verlassen. Zwei Schüsseln Wasser, ein wenig Puder und Farbe genügen dem Duo, um Sandstürme, Fluten und endlose Landstraßen im Nirgendwo abzubilden. Ein fantasie- und leidvoller Weg über Bergketten, Steilhänge und Stacheldrahtzäune zeichnen die beiden stillen Künstler nach, wobei das ängstliche Tuscheln an Schleuserstationen, Bootsstegen und Grenzübergängen die Situation Flüchtender nicht minder eindringlich nachzeichnet wie die atemraubenden Körperbilder. Fazit: Sie ist nicht zu unterschätzen, die Magie kleiner Gesten – im Leben wie auf der Bühne. rcl

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