Kultur

Pop „The Sound Of Sting“ im Nationaltheater Mannheim

In großen Schuhen

Herdan Dachroth zieht die Nummer eisern durch: die Schuh-Nummer. Sie scheint ja auch zu jedem Stück von Sting zu passen. Einmal sind es Hochglanzstiefel, die das Popsong-Ich zu tragen scheint, dann eher Badeschlappen, Turnschuhe oder Sandalen. Je nach psychologischer Befindlichkeit. Der Sänger Dachroth ist an diesem Abend im Café des Nationaltheaters auch ein Mann der Worte, fast ein Popsong-Philologe, der zum Thema Sting wohl promovieren könnte. Er lenkt das Ohrenmerk der Zuhörer erst einmal auf die Texte, also eher weg von melodiösem Charme und musikalischer Gefälligkeit, die man gemeinhin mit „The Sound Of Sting“ verbinden mag.

Urwüchsige Klänge

So heißt nämlich der Abend, der dem Musiksalon zu einem reputierlichen Saisonabschluss verhilft. Gastgeber sind die „Jazzy Souls“ (die Mannheimer Orchestermusiker Raphael Nick und Thomas Keim), die neben Herdan Dachroth auch den Gitarristen Thomas Langer eingeladen haben. Beide Gäste sind aus Frankfurt – und nicht immer einer Meinung, was Sting-Texte betrifft. Der Gitarrist sieht es ein wenig nüchterner, ironischer, befindet etwa, dass der große Popstar manchmal zwar gewiss auch leide, aber immer mit Komfort. Auf der Terrasse einer toskanischen Villa, sozusagen.

Jetzt leidet niemand, Stings Pop kommt ziemlich urwüchsig und erdig auf die Bühne. Thomas Keim mit seinem prallen und kantablen E-Bass und Raphael Nick mit seinem ökonomisch effizienten Schlagzeug schaffen eine erstklassige Grundlage, auf der sich Thomas Langers manchmal halb akustische und melodiefixierte, manchmal psychedelische und bluesige Gitarre wunderbar entfalten kann. Ein Fall für Klangfeinschmecker. Dachroth schließlich klingt in manchem großen Pop-Hit („Fields Of Gold“) fast wie ein Sting-Stimmdouble, kann aber auch anders. Er ist ein Mann mit langem Atem. Große Schuhe drücken ihn kein bisschen.