Kultur

Mozartfest Neues Format der „musikalisch-literarischen Wanderung“ am Nikolausberg kommt bei den Teilnehmern gut an

In der Natur der Seele der Romantik nachempfinden

Mozart auf der grünen Wiese? Mozart im Wald? Die Idee, mit dem Mozartfest aus dem Konzertsaal und aus den geschlossenen Räumen hinauszugehen in die Natur, passt. Nicht nur wegen des Jahresmottos „Mozart, ein Romantiker?“ Schließlich haben gerade die Romantiker diese Sehnsucht verinnerlicht. Bei der musikalisch-literarischen Wanderung waren die Teilnehmer diesen idealen Vorstellungen auf der Spur.

Es ist eine kurzweilige Wanderung am Würzburger Nikolausberg und am Käppele. Das Wetter trägt seinen Part dazu bei. Und auch das Vogelkonzert ist als Teil der Inszenierung willkommen.

Ob die Amseln an der Frankenwarte den Würzburger Dichter Max Dauthendey (1867-1918) zu seinen Zeilen „Die Amseln haben Sonne getrunken“ veranlasst haben? Zumindest haben sie die Wanderer begleitet, die Rezitator Stefan Müller-Ruppert beim Gedichtvortrag lauschen. Die Vertonung durch Justus Hermann Wetzel, einfühlsam vorgetragen von Sopranistin Hiltrud Kuhlmann und Marko Sevarlic am Akkordeon, zaubert schon zu Beginn ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer.

Noch inniger wird es bei Friedrich Rückerts „Liebst du um Schönheit“ und „Er ist gekommen“, die von Clara Schumann ganz wunderbar vertont wurden. Die Gedichte des Schweinfurters, der in Würzburg studierte, erklingen unter dichten Blätterdach. So hätte sich Rückert die Komposition sicherlich gewünscht.

Tiefe und Ausdruck

Der Buchener Rezitator Stefan Müller-Ruppert versteht es gekonnt, die Zuhörer in den Bann zu ziehen, verleiht den Worten Tiefe und Ausdruck. Die Texte, von Archivar Daniel Osthoff mit großer Sorgfalt gewählt, spiegeln die romantische Seele wider – und stehen alle in Bezug zu Würzburg.

Doch wahrlich sind es nicht nur überschwängliche Liebeserklärungen an die Stadt am Main. Da liest Müller-Ruppert aus den Tagebüchern August von Platens, in denen der junge Student 1818 die Stadt als unansehnlich beschreibt. Da verweist er auf Heinrich von Kleist, der sich über die 39 Türme in der sehr katholischen Stadt mokiert. Natürlich darf auch Johann Wolfgang von Goethe und seine Vorliebe für den Wein vom Stein nicht fehlen.

Goethe wird noch eine andere Rolle zuteil – beim Puppenspieler Thomas Glasmeyer. Vor der grandiosen Kulisse von Main und Stadt mit Dom und Residenz im Hintergrund lässt Glasmeyer den großen Dichter zusammen mit Richard Wagner zu Wort kommen, der von der genialen Musik Mozarts schwärmt. Denn auch Wagner war von Würzburg beeindruckt und hat hier mit „Die Feen“ seine erste Oper komponiert.

Eine willkommene Abwechslung auf der Wanderstrecke ist der Besuch Antonio Salieris, Mozarts Librettisten. Passend gewandet, sorgt Schauspieler Rainer Appel für eine schokoladige Überraschung.

Ein besonderer Moment ist für die Zuhörer aber wohl die Arie der Pamina „Ach, ich fühl‘s“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“, die Hiltrud Kuhlmann zusammen mit Marko Sevarlic im Garten des Käppele-Pfarrhauses unter dem Kirschbaum vorträgt. Da darf jeder seinen eigenen Empfindungen nachsinnen, sich in der Melodie verlieren. Auch bei der letzten Station mit Blick auf die Festung und das Gut „Zur neuen Welt“, wo Dauthendey bei Familie Rostosky ein- und ausging. „Lebhafte Unterhaltungen und schöne Stunden“ erlebten Wissenschaftler und vor allem zahlreiche Künstler dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Seele der Romantik erleben: Für die Teilnehmer ein wahrlich gelungener Spaziergang.