Kultur

Nationaltheater „Der Fluch der Tantaliden“ im Werkhaus

Im Rhythmus des Hip-Hop

Archivartikel

Es ist die wohl blutrünstigste Geschichte in der an Mord und Totschlag nun wahrlich nicht armen griechischen Mythologie: Die Sage vom Fluch des Tantaliden-Geschlechts, dessen Urvater Tantalos die Götter zum Essen einlud, ihnen dabei seinen eigenen Sohn Pelops in gekochter Form vorsetzte und für diese Freveltat mit einem doppelten Fluch belegt wurde: Zum einen verfügten die Götter, dass in Tantalus’ Familie über fünf Generationen hinweg lustig immer weiter gemordet wird (Mordlust ist erblich!), zum anderen wurde Tantalus selbst zu ewigem Hunger und Durst verurteilt (Tantalusqualen).

Andere Form der Verarbeitung

Der Stoff für eine tragische Oper? Das auch („Elektra“), doch am Studio Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters entschied man sich für eine ganz andere Form der Verarbeitung: für eine „Mythologische Rap-Oper“. Die Performance-Gruppe „Dlé“, bestehend aus Jackson Mehrzweck, Jaques Tabaques und Kemo, hatte Text und Rap-Hiphop-Musik zu einem hybriden Gesamtkunstwerk geliefert, in dem sehr viel und sehr schnell gesprochen wurde: Eine Paraphrase der Tantalus-Geschichte, verkleidet in heutige Alltags-Sprache („Orpheus, spiel doch mal was Anständiges!“). Da wurde gerappt, was das Zeug hielt, immer auf sprechtechnisch und schauspielerisch hohem Niveau (Tala Al-Deen, László Branko-Breiding, Eddie Irle, Arash Nayebbandi und Jessica Weisskirchen, die als versierte Saxophonistin zu hören war).

Die Inszenierung Florian Hertwecks hob die absurden Aspekte der Geschichte hervor, griff manchmal aber auch etwas bemüht in die Sado-Maso-Trickkiste; die Texte, also die musikalische Hauptsache, waren informativ, meist witzig, kamen aber nicht immer mit der Fallhöhe zwischen mythologischer Vorlage und schmuddeliger Alltags-Sprache zurecht. Und manchmal war diese Sprache so brutal, dass man danach dankbar war für einen versöhnlich-kindlichen Schlussreim: „Der Fluch ist aus, wir geh’n nachhaus’, rabimmel, rabammel rabumm.“