Kultur

FN-Interview Tänzer Evgeny Vinokurov spricht über sein Leben, seine Karriere und seine Teilnahme bei „Let’s Dance“

„Ich will Respekt und bin ehrgeizig“

Das Tanz-Event „Dance Würzburg“ findet am Freitag, 6. September, um 20 Uhr im Würzburger Congress Centrum statt. Neben weiteren Profitänzern und Tanz-Juror Joachim Llambi nimmt auch Evgeny Vinokurov an der Show teil. Der gebürtige Russe, der mit 14 Jahren des Tanzens wegen nach Deutschland kam, war im Frühjahr 2019 erstmals bei der TV-Tanzsendung „Let’s Dance“ dabei und belegte mit seiner prominenten Tanzpartnerin Evelyn Burdecki den fünften Platz.

Seit 2006 läuft mit einer kleinen Unterbrechung jährlich die Tanz-Live-Show „Let’s Dance“ im Fernsehen. Was glauben Sie, macht die Sendung so erfolgreich? Was fasziniert die Zuschauer daran?

Evgeny Vinokurov: Zum einen, glaube ich, sind es die Tänze selber. Viele Menschen mögen Tanzen, trauen sich aber nicht in die Tanzschule. Zum anderen – ich sage immer, es ist eine Show der Persönlichkeiten – ist für die Zuschauer die Entwicklung der Tanzpaare interessant. Sie fragen sich, wie kommen Menschen klar, die sich vorher nicht kannten und dann zusammen eine so intensive Zeit erleben? Wie klappt die Zusammenarbeit? Halten die Paare dem Druck stand?

Sie haben 2019 erstmals an der Show teilgenommen. Wie kam es dazu?

Vinokurov: Ich habe schon 2017 am Casting für die Show teilgenommen, leider musste ich absagen, da ich aufgrund meines Jobs als Unternehmensberater nach Amerika fliegen musste. 2018 kamen wir bei den Verhandlungen nicht richtig zusammen, aber 2019 hat es endlich geklappt. Da habe ich mich sehr gefreut.

Die Prominenten, aber auch die Profis, die an „Let’s Dance“ teilnehmen, sprechen immer von einer besonderen Stimmung, die während der drei Monate, die eine Staffel dauert, entsteht. Haben Sie das auch so empfunden?

Vinokurov: Wir sitzen alle in einem Boot. Alle Paare wollen das Beste zeigen, das Maximum herausholen und haben dabei die gleichen Schwierigkeiten. Das schweißt zusammen. Und auch wenn man mal schlechte Laune hat und abbrechen möchte, unterstützen wir uns gegenseitig. Wir sagen, wir wollen alle mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf diese Zeit zurückschauen. Ich denke, das ist uns gelungen.

Gab es ein Tanzpaar, mit dem Ihr Euch besonders häufig ausgetauscht habt?

Vinokurov: Wir haben eigentlich versucht, mit allen Kontakt zu halten, und die unterschiedlichen Personen schätzen gelernt. Sabrina Mockenhaupt hatte zum Beispiel die lustige, menschliche Seite. „Pommes“, also Pascal Hens, habe ich dafür bewundert, was er mit 2,03 Meter Größe auf der Tanzfläche zustande gebracht hat. Und bei Comedian Özcan Cosar, der relativ früh ausgeschieden ist, war ich sogar bei einem Auftritt als Zuschauer dabei. Eigentlich war man bei jedem traurig, der ausgeschieden ist.

Haben Sie und Evelyn Burdecki heute noch Kontakt? Ist aus der gemeinsamen Tanzzeit eine Freundschaft entstanden?

Vinokurov: Wir schreiben noch regelmäßig über Whatsapp und Instagram und planen auch, uns wieder mal zu treffen und essen zu gehen. Das ist nicht so einfach, da wir in unterschiedlichen Städten wohnen und beide viel beschäftigt sind. Aber ja, es ist eine Freundschaft daraus entstanden, das würde ich so sagen.

Sind Sie auch 2020 bei „Let’s Dance“ dabei?

Vinokurov: Das steht noch nicht fest. Das wird jedes Jahr neu entschieden und kommt auch auf die jeweiligen Promis an, die ausgewählt werden. Es ist die Frage, ob ein gutes „Match“ zusammen kommt. Da heißt es, abwarten. Etwa im Dezember wissen wir mehr.

Und bei der „Let’s Dance“-Live-Tour, die im November stattfindet?

Vinokurov: Nein, da bin ich nicht dabei. Evelyn kann nicht teilnehmen und ich selbst bin auch mit Proben und Vorbereitungen beschäftigt. Ich möchte nach drei Jahren Pause wieder mit meiner Tanzsportkarriere durchstarten.

Wenn Sie sich einen Prominenten aussuchen dürften, mit dem Sie tanzen, wer wäre das?

Vinokurov: Hhhmmm, Angelina Jolie, Jennifer Lopez oder Jessica Alba fände ich gut. Aber eigentlich mit jedem, der Lust am Tanzen hat und sich ein bisschen quälen kann. Ich mag es neue Personen kennenzulernen und etwas mit ihnen zu erarbeiten.

Wie sind Sie überhaupt zum Tanzen gekommen? Gab es ein Erlebnis, eine Erfahrung, die sie dazu gebracht hat?

Vinokurov: Da war ich noch ganz jung, sechs Jahre alt. Meine Eltern fanden Tanzen gut und dachten, ich könnte viel dabei lernen: Solche Sachen wie Körperspannung und Koordination. Außerdem war ich in einer Schulklasse, in der Tanzunterricht Pflicht war. Irgendwann hat mein Haupttrainer nach Talenten gesucht und mich ausgewählt. Mit 14 Jahren bin ich dann aufgrund des Tanzens von Sibirien in Russland nach Deutschland gekommen.

Tanzsport professionell zu betreiben, das klingt stressig und sehr intensiv, körperlich und emotional. Was würden Sie jemandem raten, der diesen Weg einschlägt, was sollte er beachten?

Vinokurov: Es ist eine Entscheidung für Sport und Kunst zugleich. Und dieser Weg erfordert viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Oft gibt es Momente, in denen du erschöpft und müde bist. Dann musst du verstehen, dass es nur eine Phase ist und es wieder gut wird. Überhaupt muss man Spaß daran haben, sonst ist man schnell ausgebrannt.

Haben Sie einen Lieblings-Tanz?

Vinokurov: Ich mag Samba und Rumba sehr und beim Standard sind es Tango und Quickstep. Aber im Grunde mag ich alle Tänze. Es kommt immer auf die Phase im Leben und beim Training an.

Sie geben auch Tanzunterricht - wie kann man sich das vorstellen? Was machen Sie anders als andere Tanzlehrer?

Vinokurov: Ich unterrichte hauptsächlich Tanzsportler, weniger im Social-Bereich – wobei ich plane, das verstärkt anzugehen, da ich es auch interessant finde. Insgesamt würde man mich wohl als streng beschreiben. Ich will Respekt und bin ehrgeizig. Aber mir ist keiner böse. Jeder versteht, warum ich so bin. Wir haben die gleichen Ziele.

Sie arbeiten auch als Unternehmensberater. Wie bringt man diese beiden Jobs unter einen Hut? Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?

Vinokurov: Es ist stressig, ich arbeite zusammengenommen 16 Stunden am Tag. Aber bisher war ich nicht bereit, nur eine Sache zu machen und die andere dafür aufzugeben. Es gleicht sich schön aus und ich treffe viele verschiedene Menschen. Außerdem habe ich das Glück, dass mich meine Chefs unterstützen.

Unternehmensberatung klingt als das genaue Gegenteil zum Tanzsport. Was gefällt Ihnen daran?

Vinokurov: Ich kann Unternehmen helfen, besser zu werden. Und es ist vielseitig und bietet unterschiedliche Herausforderungen. Ich darf viel reisen und treffe coole, motivierte Leute.

Wäre es für Sie auch vorstellbar, mal in einem Musical oder einem Film mitzuwirken?

Vinokurov: Bei einem Musical weniger, aber tatsächlich würde mir Film sehr gefallen. Schon als Kleinkind wollte ich Schauspieler werden, aber alles was mit Kino zu tun hatte, war in Moskau und ich lebte in Sibirien. Es wäre toll, mal in einen anderen Charakter zu schlüpfen.

Welche Projekte und Termine planen Sie in den nächsten Monaten?

Vinokurov: Da gibt es unter anderem „Llambis Tanzduell“, das im September aufgezeichnet wird. Es gibt von dem Format bisher eine Pilotfolge mit Christian Polanc und Massimo Sinato. Gegen wen ich antreten werde, weiß ich allerdings noch nicht.

Welche Tänze werden Sie bei „Dance Würzburg“ präsentieren?

Vinokurov: Ein Samba wird auf jeden Fall dabei sein, zu viel will ich aber noch nicht verraten.

Kennen Sie Würzburg? Waren Sie schon mal dort?

Vinokurov: Nein, bisher kenne ich es nur von den Autobahnschildern. Ich freue mich aber darauf.

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